Professoren und Bekennende Kirche

Bernd Martin, Freiburg im Breisgau

Zur Formierung Freiburger Widerstandskreise über den evangelischen Kirchenkampf

Zum ersten Jahrestag der nationalsozialistischen Machtübernahme ordnete der Evangelische Oberkirchenrat in Karlsruhe, auf Anregung des neu gewählten Reichsbischofs Ludwig Müller[1], für alle Gemeinden der Landeskirche Baden einen abendlichen Festgottesdienst an. Dieser sollte auf Weisung der obersten Kirchenbehörde im Hauptgebet eine Fürbitte für die Regierung der nationalen Revolution enthalten, deren Wortlaut vorgegeben war: "Allmächtiger Gott, wir danken Dir, dass Du in Gnaden unser deutsches Volk vor dem völligen Zerfall und vor dem Untergang bewahrt hast. Wir befehlen Deinem Schutz und Schirm den Reichspräsidenten und den Kanzler, den Deine Vorsehung uns zum Retter und Führer ausersehen hat. Wie im verflossenen Jahre, so rüste ihn auch ferner aus mit der Kraft aus der Höhe. Hilf ihm die Bürde tragen und lege Deinen Segen auf das schwere Werk der Wiederaufrichtung unseres Vaterlandes zum Wohl des ganzen Volkes und zur Ehre Deines Namens."[2]

Tausende evangelischer Christen, ob glühende Anhänger der Bewegung oder geschworene Feinde, erwiesen gemeinsam am 20. Januar 1934 der nationalsozialistischen Obrigkeit ihre Reverenz. Fürbitten und Festgottesdienste für die Herrschenden, einst fester Bestandteil des Bündnisses von Thron und Altar in Zeiten der Monarchie, sollten offensichtlich aus der Sicht der Kirchenleitung wiederbelebt werden, um dem weit verbreiteten Verlangen nach einer Einheit der evangelischen Kirche und deren enger Symbiose mit den neuen Machthabern zu entsprechen. Trotz der nationalsozialistischen revolutionären Umgestaltung der gesamten deutschen Gesellschaft und, damit verbunden, gravierender Ein- und Übergriffe in das kirchliche Leben beider großen Glaubensgemeinschaften, herrschte in Baden in der Evangelischen Landeskirche in den beiden sich formierenden Lagern, der Deutschen Christen und der Bekenntnisfront, das Verlangen nach Einigkeit und Neugestaltung einer volksnahen, von Luthers Glaubenssätzen bestimmten Evangelischen Kirche vor. Waren andere Landeskirchen, etwa in Preußen oder Thüringen, längst zerstritten und bald zerfallen, gelang es der Badischen Landeskirche, die äußere Geschlossenheit bis 1945 zu wahren und der innerkirchlichen nationalsozialistisch eingefärbten Opposition die Spitze zu brechen.

Brennpunkte des evangelischen Kirchenkampfes waren, aufgrund ihrer spezifischen Voraussetzungen, die beiden Universitätsstädte Heidelberg und Freiburg.[3] Die südbadische Metropole wurde zum Schauplatz erbitterter Auseinandersetzungen zwischen Deutschen Christen und der Bekennenden Kirche, die, nicht zuletzt wegen der publizistischen Kampagnen, im Lande selbst und über dessen Grenzen hinaus Beachtung fanden. In Freiburg wiederum wurde dieser ungleiche und auf lange Sicht hin für die Bekenntnisfront aussichtslose Kampf, nicht zuletzt mit Hilfe theologisch- und kirchenpolitisch engagierter Professoren der Universität zugunsten der Bekennenden Kirche entschieden. In dieser geistigen Symbiose von evangelischen Pfarrern und Professoren entstanden protestantisch geprägte Widerstandskreise, deren führende Köpfe zur christlichen Selbstbesinnung mahnten, alternative politische sowie wirtschaftliche Modelle entwarfen und schließlich sogar mit den Verschwörern vom 20. Juli in Verbindung traten.

Sind Tätigkeit und Wirkungen der Freiburger (Widerstands)Kreise mit dem gemeinschaftlich von der Landeskirche und den Hochschulen getragenen Großprojekt einer Ausstellung und diese begleitender Publikationen bereits im Jahre 1988 aufgehellt und grundlegend erforscht worden[4], so ist die Geschichte des Freiburger Kirchenkampfes bislang nur in Ansätzen aufgearbeitet. In der unmittelbaren Nachkriegszeit, als die beiden großen Kirchen erneut eine hohe moralische Autorität und Integrität erlangten, bestand offensichtlich kein Verlangen, die neue evangelische, weitgehend von den westlichen Siegermächten bestimmte Einheit (EKD) durch eine Auseinandersetzung mit einer von Schuld beladenen Vergangenheit zu belasten. Die Überbewertung und moralische Überhöhung des deutschen Widerstandes, wie sie in der Bundesrepublik amtlicherseits vorgenommen wurde, stand einer nüchternen Aufbereitung der vielfältigen Facetten von Widerstandsverhalten ebenfalls im Wege. War der Historiker Gerhard Ritter[5], einer der führenden Freiburger Köpfe, gegen die Versuchung einer solchen Selbststilisierung nicht gefeit, so traten seine Mitstreiter, die Nationalökonomen Eucken und von Dietze[6] in den Nachkriegsjahren eher in demutsvoller Bescheidenheit auf und wollten nur ungern an ihre widerständigen Taten im Dritten Reich erinnert werden.

Wichtiges Archivmaterial ging in Freiburg durch Bombenschäden oder Unachtsamkeit verloren, so dass sich die internen Vorgänge innerhalb der beiden wichtigsten Gemeinden, der Ludwigskirche als dem Zentrum der Deutschen Christen und der Christusgemeinde als Bastion der Bekennenden, nicht mehr genau nachvollziehen lassen. Die Akten des Freiburger Kirchengemeinderates, die zumindest provisorisch erschlossen sind, und die im Archiv der Landeskirche verwahrten umfangreichen Bestände bieten Ersatz, harren aber bislang noch der gründlichen Auswertung. Die wenigen bisherigen kleineren Abhandlungen, von denen im Grunde nur ein Aufsatz wissenschaftlichen Kriterien genügt[7], bieten Einstiegshilfen zum Thema, können jedoch die fehlende Monographie nicht ersetzen. Auch die folgende Analyse bleibt daher notgedrungen Stückwerk.

Nach der Volkszählung von 1933 hatte die Stadt Freiburg 95.473 Einwohner, von denen sich 27.898, etwa ein gutes Viertel, zum evangelischen Glauben bekannte. Diese verteilten sich im Wesentlichen auf fünf Stadtgemeinden, Ludwigskirche (6.686), Christuskirche (6.014), Paulusgemeinde (3.873), Lutherkirche (5.946) und Melanchthonkirche (2.026).[8] Aus der Sicht der Evangelischen und ihrer vorgesetzten Karlsruher Behörde befand sich die Freiburger Kirchengemeinde in der Diaspora und bedurfte folglich besonderer Förderung. Die kirchlichen Zentren der Protestanten, die sich erst 1807 in Freiburg niederlassen durften,[9] lagen außerhalb der katholisch dominierten Altstadt in den im 19. Jahrhundert erschlossenen neuen Wohngebieten, in die vorzugsweise evangelische Neubürger und nicht zuletzt die vielen neuen, meist ebenfalls evangelischen Professoren einzogen.

Die Albert-Ludwigs-Universität, bis zur Reichsgründung eine katholische Provinz-Hochschule, wurde im Zuge ihrer rasanten Expansion in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zu einer protestantisch beherrschten Bildungsstätte. Die große Mehrzahl der häufig aus dem Norden des Reiches berufenen Professoren war evangelisch und fühlte sich in dem katholisch bestimmten Freiburger Milieu in einer geistigen und kulturellen Fremde. Noch in Zeiten der Monarchie bildete sich ein professorales Netzwerk heraus, das in dieser dichten Form für eine deutsche Universitätsstadt einmalig war. In Ermangelung eines weitgestreuten kulturellen Angebots - selbst das repräsentative Stadttheater wurde nicht vor 1910 erstellt - schufen sich die Hochschullehrer, die wenigen Katholiken inklusive, zusammen mit ihren Ehefrauen in Zirkeln, Vereinigungen oder Clubs ihre eigene kulturelle Welt.[10] Im sog. "Kränzchen", der ältesten und fächerübergreifenden professoralen Begegnungsstätte, fanden ernsthafte wissenschaftliche Debatten ebenso Platz wie ausgelassene Faschingsfeste. Auch politisch-rassistische Zirkel, dem Zeitgeist verpflichtet, entstanden bald, wie die Gobineau-Gesellschaft oder eine solche für Rassenkunde. Die Mitgliedschaft der Professoren überschnitt sich häufig, so dass man öfter unter wechselhaften Programmen oder bei sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen Anlässen aufeinander traf. Gemeinsam war all diesen Zusammenkünften der private Raum und somit das Fehlen von - ohnehin unerwünschter - Öffentlichkeit. Die Treffen fanden nicht in Vereinslokalen statt, sondern reihum in den großbürgerlichen Villen der Hochschullehrer. Die zahlenmäßig noch überschaubare Freiburger Professorenschaft kannte einander nicht nur im wissenschaftlichen Bereich gut, sondern verkehrte auch gesellschaftlich freundschaftlich miteinander. Die Homogenität des Lehrkörpers der einzelnen Fakultäten erklärt sich auch aus dieser engmaschigen Vernetzung; achtete man doch bei den Kooptationsverfahren, ob Habilitation, Beförderungen oder Berufungen, sehr genau darauf, ob der entsprechende Mann und seine Familie in das gewohnte soziale Umfeld passten.

Dieses Netzwerk der Freiburger Professoren verfestigte sich noch nach der Niederlage des Ersten Weltkrieges. In der Weimarer Republik lebten die Hochschullehrer nunmehr in einer zweifachen Diaspora. Zu der religiösen Fremde kam die politische Entfremdung mit dem System der Demokratie, das die standesbewusste Kaste noch enger zusammenrücken ließ. Deutschnational-konservativ ausgerichtet und der Monarchie nachtrauernd, fühlten sich die Professoren in ihrer Mehrzahl als Wächter wahren Deutschtums und wurden schnell für völkische Gemeinschaftslösungen anfällig.[11] Wenn schon die Monarchie mit all ihrem Glanz untergegangen war, dann schien noch am ehesten ein geeintes Volk ein neues, wieder mächtiges Deutsches Reich schaffen zu können.

Auch in der evangelischen, stark zersplitterten Kirche fielen solche Gedanken, vor allem bei strengen Lutheranern, auf fruchtbaren Boden. Nach dem Wegfall der Throne waren den evangelischen Landeskirchen in der Weimarer Verfassung wohl ihre Altäre zuerkannt worden, doch eine neue reichsweite Struktur ließ auf sich warten. Stattdessen fächerten sich die Evangelischen entsprechend dem Weimarer Parteienspektrum in vier Hauptrichtungen auf, eine kirchlich-liberale Vereinigung (KLV), die kirchlich-positive Vereinigung (KPV), die religiösen Sozialisten und ab 1931 die evangelischen Nationalsozialisten,[12] die späteren "Deutschen Christen". Alle diese Richtungen strebten, doch jede auf ihre Weise und von einem unterschiedlichen theologischen Selbstverständnis, nach einer Erneuerung und Vereinigung der evangelischen Kirche.

In der Freiburger Diaspora traten die Gegensätze nicht so offen zutage, galt es doch die katholische Dominanz im Erziehungswesen der Stadt zu brechen.[13] Den evangelischen Hochschullehrern sollten die evangelischen Gymnasial- und Volksschullehrer folgen. Die protestantischen Professoren und die Pfarrer der evangelischen Landeskirche verfügten daher über eine Reihe von Gemeinsamkeiten und sahen in den Katholiken zwar keinen direkten Feind, wohl aber in dem vorherrschenden katholischen Milieu eine permanente Herausforderung und Bedrohung der eigenen Lebenswelten. Evangelische Kirchen und Gemeindezentren waren daher in der Weimarer Zeit traditionelle Treffpunkte kirchenpolitisch engagierter Akademiker und gesellschaftspolitisch aktiver Gemeindepfarrer. In den turbulenten Jahren der Endzeit Weimars gewannen diese Zentren an Bedeutung, um über eine mögliche Zukunft des Reiches und der Kirche zu debattieren oder den völkisch-nationalsozialistisch eingefärbten Stadtjugendpfarrer Albert[14] endlich seines Postens zu entheben und in die dörfliche Diaspora abzuschieben, wo sich die Nationalsozialisten ohnehin der größten Beliebtheit erfreuten.

Konnte die Partei Hitlers im vom Zentrum beherrschten Freiburg keine großen Erfolge erringen, so dass der Schwarzwaldmetropole in Parteikreisen das Attribut 'klerikal' anhaftete, so vermochte die NSDAP in den verarmten protestantischen Landgemeinden am Kaiserstuhl und im Markgräflerland Traumergebnisse zu erzielen.[15] Erst bei den Märzwahlen 1933 konnte die Partei der Bewegung auch in Freiburg zur stärksten politischen Kraft aufsteigen, verfehlte indes die absolute Mehrheit. Gerade im konfessionell gemischten Baden, aber auch in Freiburg, schlug sich der Gegensatz zwischen den beiden großen Religionsgemeinschaften in den Wahlergebnissen nieder und verschärfte die seit dem Abschluss des Badischen Konkordats ohnehin bestehenden Spannungen weiter. An ein Zusammengehen der Kirchen war aufgrund unterschiedlicher Affinitäten zum Nationalsozialismus vor 1933 nicht zu denken. Als die katholische Kirche Ende März 1933, durchaus vergleichbar der evangelischen, auf den Staat Hitlers zuging und die nationale Revolution freudig begrüßte, fehlte erst recht ein gemeinsames Fundament kirchlichen Widerstehens. Eine Opposition gegen den neuen Staat konnte sich fortan nur über innerkirchliche Auseinandersetzungen formieren. Die allmähliche Abwendung des Freiburger Erzbischofs Gröber[16] vom Nationalsozialismus lässt sich durchaus mit dem Formierungsprozess der Bekennenden Kirche und ihrem Kampf gegen den Totalitätsanspruch des nationalsozialistischen Staates vergleichen.

1. Formierung der Fronten

Von ihren bevorzugten Wohngebieten, der Wiehre im Osten der Stadt sowie Herdern und Zähringen nördlich der Altstadt gehörten die evangelischen Hochschullehrer zwei Kirchengemeinden an, der Ludwigskirche, der ältesten evangelischen der Stadt, und der 1891 fertig gestellten Christuskirche. Während in der Wiehre alteingesessene großbürgerliche Akademiker überwogen, und der Stadtteil damals als die beste Adresse Freiburgs galt, war die Zusammensetzung der Ludwigs-Gemeinde eher gemischt. Die meist erst kurze Zeit dort beheimateten Akademiker, etwa die Hälfte der Gemeinde, galten allgemein als religiös indifferent, so dass die Handwerker, die kleinen Beamten und die Angestellten das Profil der Gemeinde bestimmten.[17]

Kirchlich engagiert von den im Kirchensprengel wohnenden Hochschullehrern hatten sich der Pathologe Aschoff und der emeritierte Professor für Archäologie Fabricius, beide kirchlich-liberalen Positionen verpflichtet.[18] Der Musikwissenschaftler Gurlitt, der sich dem kirchlich-positiven Lager zugehörig fühlte, hatte sich vermutlich um die Kirchenmusik verdient gemacht, galt er doch aufgrund seiner Dresdner Herkunft als ausgewiesener Experte im Bereich der frühen geistlichen Musik.[19] Alle drei kandidierten erfolgreich zu den Wahlen für den 100 Personen umfassenden Freiburger Kirchengemeindeausschuss, weitgehend eine Art von Zusammenschluss der Kirchenältesten mit den geringen Kompetenzen, den Haushalt und Neubesetzungen von Pfarrstellen zu genehmigen. Von der Christuskirche wurde der seit 1931 im Gemeindeleben äußerst aktive und mit 31 Jahren jugendlich wirkende Professor für Strafrecht und Rechtsphilosophie, Erik Wolf, als Vertreter des Kirchlich-Positiven nominiert und auch gewählt. Als einziger Professor der Universität wurde er Mitglied des Kirchengemeinderates, dem eigentlichen Entscheidungsgremium des Freiburger evangelischen Kirchenbezirks.

Entsprechend dem stark ausgeprägten Verlangen nach kirchlicher Einheit waren 1932 die Wahlen zu dem einflusslosen Kirchengemeinde-Ausschuss bereits mit einer Einheitsliste durchgeführt worden, während die Wahlen für die Mitglieder des Kirchengemeinderates, des Freiburger evangelischen Kirchenparlaments, noch parlamentarischen Spielregeln folgten und auf Listen basierten. Von den insgesamt 20 Laien dieses Gremiums gehörten 7 Personen der Kirchlich-Positiven Gruppierung an, 6 den Liberalen, 4 den Religiösen Sozialisten und 3 den Christlich-Völkischen. Noch waren die traditionellen Kräfte in diesem Entscheidungsgremium weitaus in der Überzahl.[20]

Ein Jahr später sollten über die Hälfte der Mitglieder ausgetauscht werden. Die Sozialisten waren ausgeschieden, die Liberalen zu den Deutschen Christen übergegangen, so dass bei den Kirchenwahlen am 23. Juli 1933 auf einer Einheitsliste nur noch die Verfechter eines völkischen Glaubens und die reformatorischen Bekenner zu finden waren. Nunmehr bekamen die Deutschen Christen mit 13 Mandaten die absolute Mehrheit unter den Laien zugesprochen, während die Kirchlich-Positiven ihre angestammten sieben Sitze behielten.[21] Auf Wahlen, jenem demokratischen Relikt aus der Weimarer Systemzeit, wurde verzichtet. Die neue Zusammensetzung des obersten Freiburger Kirchengremiums spiegelte indes keinesfalls die Erwartungen und Wünsche des evangelischen Kirchenvolkes wider. Diese "Gleichschaltung" der Kirchengemeinden entsprechend der politischen Gleichschaltung der kommunalen und Länderparlamente aufgrund der Ergebnisse der Märzwahlen verschärfte vielmehr den innerkirchlichen Konflikt und führte rasch zur Paralysierung dieses Kirchengremiums. Die Einheitsliste, von der politischen und kirchlichen Führung vorgegeben, wahrte nach Außen den Schein der Einheit, förderte jedoch intern den Kampf um die Macht in der Kirche.

Unter dem seit 1924 amtierenden Gauleiter Robert Wagner, einem der engsten Vertrauten des Führers und seit dem 5. Mai 1933 zusätzlich Reichsstatthalter in Baden, sollte das Land auch in der Kirchenpolitik nationalsozialistische Modellfunktion haben.[22] Das einst liberale Musterländle wurde zum Vorreiter einer parteigebundenen Kirchenpolitik, die letztlich die Auflösung der Religionsgemeinschaften nach gelungener Unterwanderung zum Ziel hatte. Bereits am 16. August 1931, noch vor dem gemeinhin als Urzelle der Deutschen Christen angesehenen Zusammenschluss thüringischer Pfarrer, wurde in Baden auf Anordnung des Gauleiters und mit Hilfe von Parteigeldern gewissermaßen im Vorgriff auf eine reichseinheitliche Lösung die "Organisation des NS-Pfarrbundes, Gau Baden"[23] begründet, in die 28 bestehenden Kirchenbezirke unterteilt und direkt dem Gauleiter unterstellt. Der ersten südbadischen Zusammenkunft dieses Gremiums im November 1931 in Freiburg waren 16 Amtsbrüder, wohl in der Regel Parteigenossen, gefolgt. In Grundsatzreferaten wurden das Weimarer System als Verderbnis der göttlichen Ordnung gebrandmarkt und Hitler als Prophet Gottes gepriesen, der sich mutig gegen den Götzenwahl liberal-marxistischer Zeit stemme.[24]

Eine Landesvorstandssitzung der evangelischen Nationalsozialisten beschloss daraufhin, sicherlich auf Weisung der Gauleitung, bei den Kirchenwahlen 1932 mit einer eigenen Liste anzutreten. Eigenständig nominierte Gauleiter Wagner die entsprechenden Kandidaten und stellte der nationalsozialistischen Kirchengruppe die gesamte Logistik der kampferprobten Partei für die Kirchenwahlen zur Verfügung. Nach den entsprechenden Achtungserfolgen auch in Freiburg mahnte der seit 1925 amtierende Pfarrer der Christusgemeinde, Hermann Weber[25], auf der Landessynode im November 1932 seine Amtsbrüder, nicht zu vergessen, was die Kirche sei, nämlich eine durch Christus und seinen Geist gebaute und nicht durch Menschenhand geschaffene Größe.[26] Die Positionen waren abgesteckt und zumindest in kirchenpolitischen Kreisen in Baden bekannt, so dass der Kampf beginnen konnte.

Zur Reichsgründungsfeier (18. Jan. 1933) sprach der deutschnationale Landtagsabgeordnete Dr. Paul Schmitthenner, bald bekennender Nationalsozialist und Minister der badischen Staatsregierung, im Paulussaal vom Glauben an ein kommendes großes Reich, während die NSDAP in ihrer eigenen Veranstaltung verkündete, dass der Führer bereit stehe. Nach der Machtübernahme, die in Freiburg wenig spektakulär verlief, geriet die Stadt schnell in den Sog der nationalen Revolution.[27] Am Tage des Reichstagsbrandes starteten die vier nationalsozialistischen Mitglieder des Kirchengemeinderates erste persönliche Attacken gegen ihre Gegner.[28] Das politische Klima der Stadt verschärfte sich durch den Tod zweier Polizisten, den die Partei zum Anlass nahm, die SPD und KPD in der Stadt aufzulösen und eine Großkundgebung gegen den Marxismus auf dem Münsterplatz abzuhalten.[29]

Auch die beiden prominentesten Inhaber öffentlicher Ämter, der Oberbürgermeister und der Rektor der Universität, bekamen diesen politischen Wandel zu spüren. Nach einer massiven Agitation des nationalsozialistischen Kampfblattes 'Der Alemanne' trat der vom Zentrum gestellte oberste städtische Verwaltungschef Dr. Bender am 9. April zurück, kurz darauf, am 22. April, folgte ihm der erst wenige Tage amtierende Rektor v. Moellendorff. Auf beide Stellen rückten nunmehr überzeugte Anhänger der Bewegung nach. Den Oberbürgermeistersessel übernahm der Schriftleiter des 'Alemannen', Dr. Kerber, in das Rektorat zog der weit über Freiburg hinaus bekannte, herausragendste Philosoph seiner Zeit, Martin Heidegger.[30] Beide verband der Wille zur radikalen Erneuerung von Stadt und Universität, um das Schandmal der schwarzen Hochburg zu tilgen. Der neue Oberbürgermeister wusste die Ambitionen des neuen Rektors zu fördern, die Freiburger Hochschule zu einer nationalsozialistischen Universität umzugestalten, und bediente sich auch gern in späteren Jahren des gestiegenen Renommees der "Grenzlanduniversität", um die eigene Position zu festigen und die Alma Mater weiterhin im Sinne der Partei durch neue Lehrstühle, wie Rassenkunde und Rundfunkwissenschaften, umzugestalten.[31] Die Albert-Ludwigs-Universität schlummerte keinesfalls an der Peripherie des Dritten Reiches - wie es nach 1945 auf der Suche nach einem neuen Selbstverständnis gern behauptet wurde - sondern nahm entsprechend der Sonderrolle Badens in vielerlei Hinsicht, z.B. auch der von Heidegger mitgestalteten "Führerverfassung"[32], eine Vorreiterfunktion ein.

Der diktatorische Führungsstil des neuen Rektors und dessen radikale Vorstellungen zur geistigen Erneuerung der Universität auf den Grundlagen von Arbeitsdienst, Wehrdienst und Wissensdienst spaltete rasch die Professorenschaft in zwei Lager, in eines der glühenden Anhänger des großen Philosophen, zu dem die Masse der Studenten neigte, und eines der anfänglichen Skeptiker, die bald zu seinen Gegnern werden sollten. Noch vor der Amtseinführung der neuen Magnifizenz klagte Walter Eucken über den vermessenen Anspruch Heideggers, geistiger Führer der neuen Bewegung werden zu wollen.[33] Auch der Historiker Ritter äußerte sich wenig später über die anmaßende geistige Führungsrolle des Philosophen.[34] Hingegen brachte der "junge Professor des Strafrechts und des Strafprozessrechts, der Rechtsphilosophie, der allgemeinen Rechtslehre und der Gefängniskunde" Erik Wolf[35] der Person Heideggers "abgöttische Verehrung" entgegen und sekundierte der geistigen Erneuerung durch Vorträge und Publikationen im nationalsozialistischen Sinne. Das regimekonforme Verhalten des Juristen Wolf scheint die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät weiter gespalten zu haben, so dass Eucken zum Gegenpol innerhalb der eigenen Reihen und schließlich zum Anführer der latenten universitätsweiten Opposition gegen den Führer-Rektor wurde. Eucken mahnte mehrfach Sitzungen des Senates an, auf die Heidegger meinte verzichten zu können, und nutzte das traditionelle Plenum, um unangenehme Anfragen an den Rektor zu richten.[36] Mit einer Frau jüdischer Abstammung verheiratet, reagierte Eucken dann auch in einer Senatssitzung (12.7.1933) entrüstet auf die Zerstörung des jüdischen Verbindungshauses (Neo-Friburgia) und bezichtigte den Rektor, von seinem Aufsichtsrecht als Leiter der Hochschule keinen Gebrauch gemacht zu haben.[37]

Auch an der Albert-Ludwigs-Universität waren die Fronten im Laufe des Sommersemesters abgesteckt, doch diese entsprachen in ihrer personellen Zusammensetzung noch nicht den Fronten in der evangelischen Kirche. Zwischen den Fronten stand Erik Wolf[38], der voller Idealismus über eine Wiederbelebung des kirchlichen und geistigen Lebens sich sowohl in der Bekenntnisfront engagierte als auch Heidegger blindlings zuarbeitete. Der Jurist erkannte bald diesen Irrtum, eine christlich-protestantische Ethik mit völkisch-totalitären Zielsetzungen vereinbaren zu wollen. Er sollte sich allmählich von seinen Verstrickungen mit dem Nationalsozialismus befreien, um daraufhin noch exponierter und engagierter für die Bekennende Kirche einzutreten.

Doch 1933 sah er offensichtlich Gemeinsamkeiten zwischen evangelischer Kirche und Nationalsozialismus im Bereich der Sozialpolitik und in dem Verzicht auf einen individuellen Freiheitsbegriff zugunsten eines deutschen Gemeinschaftsgefühls. Als einziger Hochschullehrer im 20 Köpfe umfassenden Kirchengemeinderat regte er in der April-Sitzung an, "dass der KGR mehr als bisher sich auch mit brennenden Fragen der Gegenwart beschäftigen möge, soweit sie die Kirchengemeinde und die Kirche angehen". Daraufhin fand am 9. Mai 1933 im noch nicht von nationalsozialistischer Seite beherrschten obersten Freiburger Kirchengremium eine Grundsatzdiskussion statt, die als Geburtsstunde widerständischen Verhaltens gelten kann. Das den Kirchenältesten als Diskussionsgrundlage übermittelte "Altonaer Pastorenbekenntnis"[39] nahm in seinen Kernpunkten wesentliche Gedanken der späteren beiden Denkschriften des Freiburger Widerstandskreises, "Kirche und Welt" (1938) und "Politische Gemeinschaftsordnung" (1942) vorweg.

In dem Pastorenbekenntnis wird erstmals ein Widerstandsrecht für den Fall formuliert, dass die Obrigkeit entgegen dem Wohle des Staates arbeite und damit der Augenblick gekommen sei, "wo man Gott mehr gehorchen muss denn den Menschen". Die Vergöttlichung des Staates und dessen totalitärer Anspruch auf das Gewissen des einzelnen Menschen werden als unchristlich verworfen, die Einheit der Kirche auf geistiger Grundlage als "Gottes jetzt geschehener Wille" bezeichnet. Die Vereinigung aller deutschen evangelischen Christen in einer geistig geläuterten Kirche blieb immer auch Ziel der Bekenntnisfront, ein Ziel, das auch die Völkischen, aber auf völlig andere Weise, verfolgten.

In seinem "Bekenntniswort zum evangelischen Ringen der Gegenwart"[40] stellte sich Erik Wolf ausdrücklich hinter das Bekenntnis der Altonaer Pastoren und übernahm ganze Abschnitte wörtlich in seinem Papier. Insgesamt fiel das von Wolf formulierte Bekenntniswort indes weniger radikal aus als die Altonaer Denkschrift, fehlten doch die Passagen über Aufbegehren gegenüber der Obrigkeit. Dennoch lässt sich dieses in Freiburg und Umgebung verbreitete Papier als eine Art "Gründungsmanifest" einer Bekenntnisfront deuten. Das geistige Rüstzeug für den kommenden Kirchenkampf stand bereit.

Noch formierten sich die Evangelischen Nationalsozialisten, von der Gauleitung und lokalen Parteistellen tatkräftig unterstützt, und warben auf Massenveranstaltungen im Vorfeld der Kirchenwahlen um neue Mitglieder. In einer ersten Riesenkundgebung im vollbesetzten Paulussaal (31. Mai)[41] plädierten die nunmehr als "Deutsche Christen"[42] firmierenden badischen nationalsozialistischen Pfarrer noch in maßvollen Worten für eine Reichskirche und dürften mit diesem Bekenntnis zur kirchlichen Einheit auch nichtnationalsozialistische Kreise angesprochen haben. Die zweite Großkundgebung[43], drei Tage vor den Kirchenwahlen, stand unter dem Motto "Positives Christentum" und wurde nicht zuletzt wegen der vielen Neuaufnahmeanträge als voller Erfolg gesehen. In beiden Veranstaltungen tat sich der ehemalige Freiburger Jugendpfarrer, Wilhelm Albert[44], hervor, der inzwischen nach Gundelfingen versetzt worden war. Noch fand sich in der Stadt kein den 'Deutschen Christen' zugehöriger Pfarrer, der die Sache des Nationalsozialismus hätte offen vertreten können. Da sich die kirchlichen Machtverhältnisse nach den "Wahlen" vom 23. Juli 1933 sowohl in der Landessynode[45] als auch im Freiburger Kirchengemeinderat[46] eindeutig zugunsten der nationalsozialistischen Christen verschoben hatten, war es nur eine Frage der Zeit, bis die erste frei werdende Pfarrstelle in der Stadt mit einem überzeugten Nationalsozialisten besetzt werden würde. Bei der Einführung des neuen, nationalsozialistisch dominierten Freiburger Kirchengemeinderates unterbreitete Wolf erneut den Vorschlag, über aktuelle Fragen in einer Arbeitsgemeinschaft zu diskutieren, dürfte indes bei den auf öffentliche Wirkung bedachten Deutschen Christen auf kein Gehör gestoßen sein.

Inzwischen hatten sich die Strukturen der evangelischen Kirche sowohl auf der Ebene des Reiches als auch des Landes Baden grundlegend geändert. Die nun auch von den Deutschen Christen dominierte Landessynode beschloss die Führerverfassung, d.h. die Einsetzung eines Landesbischofs. Am 24. Juni 1933 wurde der ehemalige Pfarrer der Christuskirche und nachmalige Prälat Julius Kühlewein zum ersten badischen Landesbischof gewählt und einen Monat später im Beisein lokaler Parteiprominenz feierlich in sein Amt eingeführt[47]. Im September des gleichen Jahres wurde in Wittenberg nach dem erzwungenen Verzicht des ursprünglich in das Amt gewählten Friedrich von Bodelschwingh der ehemalige Militärgeistliche und nunmehrige Anhänger der Deutschen Christen Ludwig Müller einstimmig zum ersten evangelischen Reichsbischof erkoren. Gegen die von oben verordnete Einheit der Kirche und die Übergriffe des Staates (Arierparagraph) erhob sich rasch Widerspruch, der in der Gründung des Pfarrernotbundes durch Martin Niemöller seinen Niederschlag fand. Ende des Jahres 1933 hatten 29 badische Pfarrer die Verpflichtungserklärung unterschrieben, im Januar 1934 waren es bereits 102 Geistliche.[48]

Der neue badische Kirchenführer Kühlewein versuchte, wann immer er konnte, in dem aufziehenden Konflikt zu vermitteln, und die innerkirchlichen Gegensätze herunterzuspielen. Offensichtlich sollten entsprechende Bemühungen des Bischofs in Freiburg anlässlich seiner ersten dortigen Kirchenvisitation (14.-16. Oktober 1933) vereitelt werden. In einem Leitartikel ihres Presseorgans "Kirche und Volk" bliesen die Deutschen Christen zum Angriff auf die bestehende Kirche: "Heute oder nie! Soldaten Adolf Hitlers und unseres Herrn im Himmel auf dem Boden eines positiven Christentums: Wir greifen an."[49] Der Landesbischof lauschte gemeinsam mit der gesamten Freiburger Geistlichkeit der Führerrede aus Anlass des Austritts des Reiches aus dem Völkerbund und wahrte auf diese Weise Harmonie. Im Abschlussbericht zeichnete er ein positives Bild der Freiburger Pfarrer, da die persönlichen Spannungen erheblich zurückgegangen seien. Die Verbindungen der Kirche zur protestantischen Hochschullehrerschaft wurden ebenfalls lobend hervorgehoben: "Die wirkungsvolle Unterstützung, die unsere evangelische Sache von nicht wenigen Vertretern der Universität erhält, wollen wir auch diesmal mit lebhaftem Dank hervortun."[50]

Die Kundgebung der Deutschen Christen im Sportpalast in Berlin (13. Nov. 1933) und die dort erhobenen Forderungen nach einer Säuberung der Heiligen Schrift von allem Jüdischen erregten die geistlichen Gemüter derart, dass sich selbst Reichsbischof Müller von solchen Ansinnen öffentlich distanzierte.[51] In Freiburg wiederum weckten die Predigten des Pfarrers der Christuskirche den Argwohn der militanten Deutschen Christen und führten zu einer ersten Flugblattaktion[52] gegen den führenden Kopf der Bekenner, der eine staatliche Maßregelung folgen sollte. Die reichsweite "Verordnung zur Wiederherstellung geordneter Verhältnisse in der Ev. Kirche"[53] (4. Jan. 1934) hatte politische Versammlungen in kirchlichen Räumen untersagt. Sie bot dem Freiburger Gestapochef, einem erklärten Anhänger der Deutschen Christen und Mitglied des Kirchengemeindeausschusses[54], die rechtliche Handhabe, den unbequemen Konkurrenten durch eine Haussuchung einzuschüchtern.[55] Da solche Durchsuchungen auch anderen Ortes stattfanden, beschwerte sich der Pforzheimer Pfarrer Karl Dürr im Namen von 230 Amtsbrüdern beim Reichsbischof. Dieser Protest war der erste Schritt zur Begründung des Badischen Bekennerbundes, wie er dann am 5. April 1934 vollzogen wurde.[56]

Inzwischen hatte die Überleitung der kirchlichen Jugendverbände in die Hitler-Jugend, mit wohlwollender Billigung des Landesbischofs vollzogen, für weiteren Unmut gesorgt. Angesichts dieser Verschärfung des Konfliktes formulierten Hermann Weber von der Christuskirche und Gerhard Ritter, Sohn eines Pfarrers und bekennender Christ, gemeinsam ein Flugblatt "Grundsätze zur Bildung einer Bekenntnisfront"[57] noch vor dem Zusammentritt der Barmer Bekenntnissynode. Auf ihr wurde Baden durch die Pfarrer Dürr und Weber sowie die Laien Dittes und Ritter vertreten. Dem allseits geachteten Historiker fiel dann auch die ehrenvolle Aufgabe zu, in einer Art Schlussrede ein glühendes Bekenntnis zur alle evangelischen Kircheneinrichtungen übergreifenden neuen Kirchenfront abzugeben.[58] Ritter, der sich selbstironisch als "Reisender in geistigen Kurzwaren" bezeichnete, wurde zum wortgewandten und vielgesuchten Redner der Bekennenden Kirche. "Die Wucht des Bekenntnisses"[59] riss ihn gleichsam fort, so dass er in seiner Person einen neuen Luther[60] wähnte, der berufen sei, die Reformation zu vollenden und damit die Spaltung der Evangelischen endlich zu überwinden.

Brach die Freiburger Evangelische Kirche, angeführt von der Christusgemeinde, zum Widerstehen gegen den Totalitätsanspruch auf, so waren an der Universität alle Hoffnungen auf eine radikale Umgestaltung ebenfalls zerbrochen. Der Philosoph Heidegger war als Rektor kläglich gescheitert, sein Führungsanspruch, wann immer möglich, von den Kollegen unterlaufen und von der Partei belächelt worden, so dass er, wie ein Kollege spöttisch bemerkte, reumütig aus Syracus zurückkehrte. Mit ihm legte auch Erik Wolf sein Amt als Dekan nieder, nachdem er sich unter seinen Fakultätskollegen weitgehend selbst isoliert hatte. Mit diesem Schritt beendete Wolf auch sein Wirken für die Sache der Nationalsozialisten. Fortan stand er fest im Lager der Bekennenden Kirche, der Spagat war beendet. Ritter und auch Eucken[61] zeigten sich erleichtert über den Rücktritt Heideggers vom Führeramt. Mit der Wiederkehr "normaler Verhältnisse" kehrte nun Ruhe in die Alma Mater ein. Doch Heidegger hinterließ eine oppositionelle Gruppierung von Hochschullehrern, die über sein Rektorat zusammengefunden hatte und nunmehr im nationalsozialistischen Alltag des Hochschulbetriebs und in ihren privaten Zirkeln noch weiter zusammenrücken konnte.

2. Kirchenkampf und Professoren: Das Anwachsen der Bekenntnisfront

Die Deutschen Christen, noch immer in Freiburg führerlos, nahmen das von Ritter und Weber formulierte Flugblatt zum Anlass, in einer breiten Gegendarstellung der Bekenntnisfront Verdrehungen der Wahrheit anzulasten. Über Volk und Rasse sowie die Person Christi gingen die Meinungen deutlich auseinander. Volksgemeinschaft und Schutz der Rasse wurden von den Deutschen Christen, erneut unter Federführung des Gundelfinger Pfarrers Albert, als gottgewollte Ordnung verteidigt. Geschickt rückten sie in ihrer Gegendarstellung auch von dem süßlichen Heilandsbild eines "schwärmerischen Pietismus" ab und sahen in Jesus - ganz zeitgemäß - "eine grade, kernige, charaktervolle und heldische Gestalt"[62]. Mit der Gründung eines "Landesbruderrates der Bekenntnisgemeinschaft (19. Juni 1934)" durch Pfarrer Dürr, einer Art Kirche in der Kirche, organisierten sich die Bekennenden in einem Gremium, dem aus Freiburg Pfarrer Weber und Professor Ritter angehörten. Gleichzeitig wurde Wolf zur besseren Koordination der Öffentlichkeitsarbeit zum Pressesprecher der Freiburger bekennenden Gruppierung bestimmt.[63] Auf der Landessynode sprachen sich dann auch Wolf und Dürr für eine von unten gewachsene Einheit der Kirche aus. Das Gemeindeleben stehe im Mittelpunkt kirchlicher Tätigkeiten und nicht die Demonstration der Macht.[64]

Der Rückzug auf die Gemeinde bewirkte vermutlich nicht nur in der Christuskirche neue Formen des kirchlichen Lebens. Fortan wurden sog. "Bekenntnisabende" wöchentlich abgehalten, zu denen nur solche Personen Zutritt hatten, die eine "Rote Karte" vorweisen konnten. Erstbesucher erhielten einen provisorischen Ausweis.[65] Die Gefahr der Bespitzelung ließ sich vermutlich auf diese Weise etwas bannen.[66] Desgleichen wurde im sonntäglichen Gottesdienst ein Laienwort nach der Predigt angesetzt, das wohl häufiger von Professoren gesprochen wurde.[67] Auch der von seinem Wesen her äußerst zurückhaltende, dem Gelehrtenleben zugetane Walter Eucken wurde nunmehr aktives Mitglied der Bekenntnisfront. Wie er einem an seine Mutter gerichteten Brief (20. Mai 1935) anvertraute, waren von seinem engeren Bekanntenkreis fast alle in der Bekennenden Kirche und Ritter sogar an führender Stelle.[68] Der Nationalökonom hatte bereits 1932 einen grundlegenden Aufsatz zum Thema "Religion - Wirtschaft - Staat" verfaßt und sah seine volkswirtschaftlichen Theorien durch die göttlichen Gebote fundiert. Mit Ritter entwickelte sich sogar ein enges, freundschaftliches Verhältnis. Auch Adolf Lampe, fachlich nicht immer in Übereinstimmung mit Walter Eucken, besuchte als Mitglied der Bekenntnisfront die Gottesdienste der Christuskirche und entwickelte etwas abenteuerliche Pläne, mit Hilfe des in die Reiter-SS eingetretenen Studentenpfarrers Wettmann die Versammlungen der Deutschen Christen zu unterwandern.[69]

Die vom Landesbischof am 13. Juli nach einer Rundfrage bei allen badischen Pfarrern vollzogene Eingliederung der Landeskirche in die von Bischof Müller geführte Reichskirche[70], löste trotz des positiven Mehrheitsvotums (478 dafür, 92 dagegen, 18 unentschieden, 32 keine Antwort) eine von Dürr /Pforzheim angeführte Protestkampagne aus. Zur feierlichen Inthronisation des Reichsbischofs wollten die bekennenden Mitglieder des Freiburger Kirchengemeinderates keine Delegation entsenden. Sie wurden, und mit ihnen Wolf, von der Mehrheit überstimmt.[71] Das Gremium drohte über der Frage auseinanderzubrechen, zumal Erik Wolf wegen fehlender sachlicher Zusammenarbeit demonstrativ am 25. September 1934 als Kirchengemeinderat zurücktrat.[72] Auf der Sitzung des Rates am gleichen Tage wurde über die Gestaltung der anstehenden Lutherfeier heftigst gestritten, der Kirchenälteste Fritz von den Deutschen Christen, Volksschullehrer von Beruf, verlangte einen Festakt, der im Sinne der Partei mit dem Horst-Wessel-Lied, statt wie gewohnt mit dem Reformationslied "Ein feste Burg..." beendet werden sollte. Pfarrer Weber distanzierte sich, wurde als Vertreter des alten Systems angegriffen und schließlich überstimmt. Nie sei die evangelische Kirche so gespalten gewesen wie heute, beklagte er bei seinem Abgang.[73] Die von den Deutschen Christen weiterhin beantragte Übertragung der Leitungsfunktion dieses Gremiums an Hauptlehrer Theodor Fritz vereitelte die vorgesetzte Karlsruher Behörde. Auf der Sitzung des Gremiums am 30. Oktober 1934 gelang es der nationalsozialistischen Mehrheit sogar, ein Verbot kirchenpolitischer Versammlungen der Bekenntnisfront auszusprechen. Pfarrer Weber verließ daraufhin demonstrativ mit zwei Kirchenältesten das Gremium und kehrte nie wieder in es zurück.[74]

Der Kirchenkampf in Freiburg geriet in ein neues Stadium, als mit der Amtseinführung des Parteigenossen Pfarrer Fritz Kölli in der Ludwigskirche am 16. November 1934 endlich ein überzeugter Nationalsozialist einer Gemeinde vorstand. Schon die Antrittspredigt stieß auf Mißfallen der kirchlichen Obrigkeit, die ihn allerdings aus Proporzgründen hatte einsetzen müssen. Der neue Pfarrer hielt mit seinen Auffassungen sehr zur Freude seiner Anhänger nicht zurück: "Wir nationalsozialistischen Pfarrer sind nicht politisierende Pfarrer, Nationalsozialismus ist nicht Politik, sondern gottgewollte Bewegung." Als er in einem seiner Artikel im Kirchenblatt der Bewegung von einer "Probemobilmachung der Reaktion" sprach und damit auf die Bekenntnisfront verwies, handelte er sich die erste seiner zahlreichen Rügen vom Landesbischof ein.[75]

Die Ludwigskirche wurde schnell zum Zentrum der Deutschen Christen. Die durchschnittliche Besucherzahl des sonntäglichen Hauptgottesdienstes stieg auf 400-600 Personen (ca. 8%)[76] und erreichte damit etwa den Stand in der Christusgemeinde. Doch das Kirchenopfer der Bekennenden Gemeinde belief sich für die Jahre 1934 bis 1941 auf das Dreifache der in der Ludwigskirche eingenommenen Kollekten (20 079 zu 6 940 Reichsmark).[77] Offensichtlich waren die Bekennenden Christen auch zu größeren materiellen Opfern bereit als ihre staatskonformen Brüder im (Irr-) Glauben.

Der von Bischof Kühlewein Ende 1934 vollzogene Wiederaustritt der Badischen Landeskirche aus der Reichskirche[78] und die Berufung des "geistigen Haupts der Widerstandsbewegung der Pfarrerschaft gegen den Reichsbischof", so die Gestapo, Karl Dürr auf die Pauluspfarrei stärkte nun wiederum das Lager der Bekennenden, vertiefte indes auch die Spaltung.[79] Selbst vom "Frauenwerk", dem christlichen Sozialdienst der Evangelischen, spaltete sich nunmehr ein "Frauendienst"[80] der Deutschen Christen ab. Der Besuch des Reichsbischofs Müller in Freiburg am 26. April 1935 wurde zur politischen Demonstration der lokalen Parteiträger, aber demonstrativ von der Karlsruher Kirchenleitung ignoriert.[81] Ein Auftritt Martin Niemöllers im Paulus-Saal (14. Juni 35) und seine Ansprache mit dem Thema "Der Ruf Gottes an sein Volk"[82] stärkte den Bekennenden den Rücken, zumal es auch zu persönlichen Gesprächen etwa Euckens mit dem prominenten Berliner Kirchenmann kam. Doch Kölli konterte sofort mit dem provokanten Titel "Die Kirche ist doch kein U-Boot" (in Anspielung auf Niemöllers Kommando eines U-Bootes im Ersten Weltkrieg). Im zu drei Viertel besetzten Paulus-Saal, vorwiegend mittleres Bürgertum und in der Mehrzahl Frauen, so der Bericht eines Kundschafters der Bekennenden, stellte sich Kölli, demagogisch geschickt, als von seinen Amtsbrüdern Verfolgter hin. Der Text der Ansprache ist im Gegensatz zu den meisten anderen öffentlichen Verlautbarungen Köllis überliefert, da er ihn dem Landesbischof vorlegen mußte.[83]

Da Parteigenosse Kölli rechtlich von der Kirchenleitung nicht belangt werden konnte, so lange er sich darauf berufen konnte, nur das Wort Gottes (die Bibel) auszulegen, griff die Karlsruher Kirchenleitung auf das Gesetz zur geordneten Verwaltung der Kirche zurück und beauftragte Dekan Schäfer mit der Sonderverwaltung des Freiburger Kirchenbezirks. Mit diesem von oben eingesetzten Kirchenkommissar war die Vorherrschaft der Deutschen Christen im Kirchengemeinderat und dessen Kontrollorgan, dem Kirchengemeindeausschuß, gebrochen.[84] Die Deutschen Christen hatten ohnehin den Austritt ihrer häufig aktivsten Mitglieder hinnehmen müssen. Die NSDAP verlangte nämlich von ihren Parteigenossen ein kirchliches Amt niederzulegen, sofern sie ein Amt in der Partei innehatten. Auf diese Weise wurden neben dem Freiburger Gestapochef auch die Ortsgruppenleiter, Postinspektor Richard Fiek, und der Syndicus Dr. Fritz Saucher, Ortsgruppenleiter in Herdern, zur Aufgabe ihrer Kirchenämter gezwungen.[85] Die Gaugemeinde Baden der Deutschen Christen wurde in Freiburg fortan durch eine mit drei Personen besetzte Kreisleitung repräsentiert, die keine Parteiämter innehatten: Landgerichtsdirektor Dietrich Fitzer, dem inzwischen zum Rektor beförderten Theodor Fritz und dem Druckereibesitzer Friedrich Bär.[86]

In einem Gespräch mit dem Kultusminister Wacker und dem Gauleiter Wagner[87] bezifferte der Landesbischof im Mai 1936 die Anhänger der Bekennenden Kirche auf 50%, während die Deutschen Christen in Baden nur auf etwa 25% kämen und die restlichen 25% mehr oder minder als neutral anzusehen seien. Die Gesprächspartner waren sich einig, daß der Kirchenkampf von Außen in die Badischen Landeskirche hineingetragen worden sei. Allgemein sei ein Abbröckeln der Bewegung der Deutschen Christen zu verzeichnen - so der Landesbischof. Die Landeskirche sei intakt, bis auf eine machtbesessene Splittergruppe innerhalb der Deutschen Christen. An Verfahren sei nur eins gegen den Freiburger Pfarrer Kölli anhängig. Der Gauleiter stellte sich daraufhin hinter die Bewegung der nationalsozialistischen Christen, während der Bischof die Bekenntnisfront in Schutz nahm.

Die Bekennende Kirche konnte, wie Eucken notierte, "ungeheure Erfolge"[88] verbuchen und erhielt mit der Berufung Constantin von Dietzes auf den Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre in Freiburg weitere Verstärkung.[89] Dietze hatte als prominentes Mitglied der brandenburgischen Bekennenden Kirche sogar kurzfristig in Haft gesessen, verfügte über gute Kontakte zu Dietrich Bonhoeffer, dem herausragenden Theologen in der Bekennenden Kirche, und kannte auch die führenden Köpfe der sich später formierenden Widerstandsbewegung. In Freiburg wohnte er zunächst neun Monate im Hause Ritters, so daß er sofort in der Bekenntnisfront und im Kreis oppositionell eingestellter Professoren Fuß fassen konnte. Der Nationalökonom hatte ein Jahr zuvor sein Hauptwerk "Volkswirtschaftspolitik" vorgelegt, in dem er die christliche Religion als Fundament jeglicher wirtschaftlichen und sozialen Ordnung bezeichnete. Auch die Wiederbesetzung der durch den Tod Hermann Webers vakant gewordenen Christuspfarrei mit Otto Hof, für den sich Ritter und der in die Bekenntnisfront zurückgekehrte Erik Wolf vehement eingesetzt hatten, sollte entgegen den Vorstellungen des "Kirchenkommissars" vom Landesbischof genehmigt werden und das Bekenntnislager weiter kräftigen.[90] Die Bekennende Kirche schien sich in Baden durchgesetzt und die regimekonforme Richtung weitgehend ausgeschaltet zu haben. Das Zusammenwirken Freiburger Hochschullehrer mit Pfarrern der Bekennenden Kirche hatte zu diesem Sieg wesentlich beigetragen, den Professoren indes auch geistiges Rüstzeug für ihre regimekritischen Forschungen vermittelt.

3. Verstärkte staatliche Repression und der Weg in den Widerstand

Um die staatlicher Kontrolle immer weiter entgleitende Bekennende Kirche wieder an die kurze Leine zu nehmen, genügte es, die finanziellen Zuwendungen an die entsprechenden Gemeinden im Sinne des Regimes zu steuern und somit auf lange Sicht hin die Evangelische Kirche in Deutschland auszutrocknen. Die gesetzliche Grundlage für eine solche repressive Politik des Staates bildete eine Verordnung des Reichsministers für die kirchlichen Angelegenheiten, Hanns Kerrl, zur Einrichtung von Finanzabteilungen bei den Verwaltungsbehörden der deutschen Evangelischen Landeskirchen.[91] Diese Anordnung wurde in Karlsruhe am 25. Mai 1938[92] umgesetzt und löste sogleich die wohl stärkste kirchliche Protestlawine in nationalsozialistischer Zeit in Baden aus. Bischof Kühlewein protestierte umgehend, die Verwaltung, der Oberkirchenrat, bestritt die Rechtmäßigkeit der neuen Abteilung und vor dem Verwaltungsgebäude der Badischen Landeskirche in Karlsruhe kam es zu einer Demonstration selbstbewußter Pfarrer der Bekenntnisfront.[93]

In Freiburg wurde einer der drei Kreisleiter der "Gaugemeinde", der Landesgerichtsdirektor Fitzer[94] zum Bevollmächtigten ernannt. Ein Flugblatt der Bekennenden Kirche mit dem bezeichnenden Titel "Die Zerstörung der Kirche durch die Finanzabteilung"[95], das in Freiburg zirkulierte, deckte einige der Knebelaktionen der neuen Behörde auf und malte die Zukunft der Kirche in den schlimmsten Farben aus. In Freiburg begünstigte der Bevollmächtigte selbstverständlich die ihm nahestehenden Deutschen Christen und bewilligte der Ludwigskirche eine zweite Gemeindehelferin.[96] Der Oberkirchenrat lehnte den Antrag mit der Begründung ab, dass "diese Stelle lediglich den propagandistischen Zwecken einer Minderheit dienen soll, die mit der Vereinigten Evangelisch-Protestantischen Kirche so gut wie nichts mehr verbindet"[97]. Doch letztlich saß die Finanzabteilung am längeren Hebel, disziplinierte die aufmüpfigen Pfarrer rasch und verlangte wie in Freiburg - fortan von allen Beschäftigten der Kirche einen Ariernachweis sowie eine Erklärung über die Mitgliedschaft in Parteiorganisationen.[98] Der Kirchenkampf wurde somit von der Öffentlichkeit weg stärker in die Kirche selbst verlagert, kam indes auf Weisung Hitlers mit Kriegsbeginn zum Erliegen.

Die Christuskirche als Hort bekenntnisorientierten Gemeindelebens scheint von diesen Finanzaktionen unberührt geblieben zu sein, bzw. dürfte auf staatliche Zuweisungen auch nicht in dem Maße angewiesen gewesen sein wie ärmere Gemeinden. Der Kirchenvisitator, der Freiburger Dekan und Pfarrer der neuen Friedenskirche Fritz Horch, zollte ihr im April 1939 höchstes Lob: "In der Gemeinde der Christuskirche sind wirkliche kirchliche Traditionen lebendig, wie sie sich sonst in Baden kaum finden. Dadurch versteht sich die seltene Stetigkeit im Gemeindeleben."[99] Ob der Visitator, selbst Mitglied der Bekennenden Kirche und des sich formierenden Freiburger Kreises, auf die verstärkte Symbiose von Hochschullehrern und Pfarrern im Freiburger "Konzil" anspielte, sei dahingestellt. Als aktiver Teilnehmer dieser neuen Gesprächsrunde, eines um Geistliche erweiterten Professorenzirkels, wußte er um die Diskussionen und ihr erstes Resultat, die Denkschrift "Kirche und Welt".

Unter dem Eindruck des sich erneut verschärfenden Kampfes gegen die Kirche und die Vorgänge um die sogenannte "Reichskristallnacht" in Freiburg suchten die in der Bekennenden Kirche vereinten Professoren nach einem neuen Artikulations- und Aussprachegremium, das in gewohnter Weise organisiert wurde. Die Treffen fanden, wie in den bisherigen Professorenzirkeln üblich, reihum in den Häusern der Teilnehmer statt. Die Ehefrauen waren, wie gewohnt, nicht nur jeweils für die Bewirtung der Gäste zuständig, sondern wurden aktiv in die Gesprächsrunde einbezogen. Prominente Teilnehmerin dieses neuen Zirkels wurde die Witwe des verstorbenen Gemeindepfarrers der Christuskirche, Charlotte Weber. Die Form der nichtöffentlichen Zusammenkunft an jeweils einem anderen Ort war keinesfalls neu im Freiburger Professorenmilieu und folglich auch keine Konspiration, neu waren die Kooptation von Geistlichen und die Gesprächsinhalte. Diese bezogen sich nunmehr stärker auf protestantisch-theologische Grundsatzpositionen und aktuelle politische Fragen, wie die Judenproblematik. Der Horizont weitete sich und wies weit über den lokalen Freiburger Kirchenkampf hinaus.

An der etwa zwanzigseitigen ersten Denkschrift, nach dem Brand der Freiburger Synagoge verfaßt, waren allein der Historiker Ritter und die beiden Pfarrer Hof (Christuskirche) und Dürr (Paulusgemeinde) beteiligt;[100] Vertreter der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät fehlten noch. An dem theologischen Grundsatzpapier waren weder Wolf, noch die Nationalökonomen v. Dietze, Eucken und Lampe beteiligt. Vermutlich sollte die Denkschrift schnell, unter dem Schock der Ereignisse erstellt und verbreitet werden. Die Ausführungen fanden dann auch rasch im südbadischen Raum in hektographierter Form Verbreitung. Über die Resonanz in kirchlichen Kreisen oder seitens des staatlichen Repressionsapparates ist nichts bekannt. Ohnehin waren die Gedanken so neu auch nicht, sondern standen in der Kontinuität einer seit 1933 im bekennenden Lager in Freiburg geführten Diskussion.

Die Zurückhaltung der anderen Professoren mag sich auch damit erklären, daß sie alle an größeren Werken arbeiteten, in denen sie - gewissermaßen parallel zu ihrem religiösen Bekenntnis - wissenschaftlich Zeugnis ablegten.[101] Adolf Lampe legte, als erster, 1938 eine "Allgemeine Wehrwirtschaftslehre" vor, die eine marktorientierte Wehrwirtschaftspolitik forderte, in welcher gewissermaßen eine Balance zwischen verantwortungsbewußter privater Unternehmerinitiative und staatlichem Dirigismus herrschen sollte. Walter Euckens im zweiten Kriegsjahr publizierte Studie "Grundlagen der Nationalökonomie" wollte mit ihrer Betonung der liberalen "Verkehrswirtschaft" die Rolle des Staates stärker beschränkt wissen. Dieser sollte im wesentlichen für die Rahmenbedingungen sorgen und darauf achten, daß sich die Wirtschaft sozial verträglich entwickle. Karl Diehl, Nestor der Nationalökonomie in Freiburg, veröffentlichte gewissermaßen als Resultat seines seit 1934 gehaltenen Privatseminars, eines um Studenten erweiterten häuslichen Professorenzirkels, im gleichen Jahr sein Lebenswerk "Der Einzelne und die Gemeinschaft" (1940). v. Dietze wiederum war 1936, noch vor seiner Freiburger Zeit, mit dem Buch "Volkswirtschaftspolitik" hervorgetreten und resümierte seine in den Freiburger Kreisen gewonnenen Erfahrungen 1947 in dem Werk "Nationalökonomie und Theologie. Das christliche Deutschland 1933-1945". Erik Wolf wiederum hatte 1939 sein bleibendes Werk über "Große Rechtsdenker der deutschen Geistesgeschichte" vorgelegt.

Gemeinsam ist allen diesen Werken eine deutliche Distanz zu regimekonformen Auffassungen. Sie basieren auch im sozialen Bereich auf christlichen Grundwerten, die allerdings bei den einzelnen unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Und sie stehen alle - was wohl am wichtigsten ist - in der Tradition des deutschen "dritten Weges", eines Mittelweges zwischen dem angelsächsischen liberalkapitalistischen (ausbeuterischen) System und dem, gleichfalls den Menschen deformierenden, kommunistischen Zwangskollektiv. Doch auch das nationalsozialistische Deutschland erhob, nicht zuletzt in der Kriegspropaganda, diesen dritten Weg zum Heilsweg für das zukünftige Großgermanische Reich, um sich deutlich gegen den jüdischen Kapitalismus und den gleichfalls jüdisch infizierten Bolschewismus abzusetzen. Die französischen Besatzungsbehörden verhafteten dann auch Adolf Lampe 1946 unter der Anschuldigung, die nationalsozialistische Kriegswirtschaft theoretisch fundiert zu haben.[102] Das Engagement der Autoren in der Bekennenden Kirche, aber auch die zeitgebundene nationalsozialistisch beeinflußte Volkswirtschaftsdiskussion - sie haben beide ihre Spuren in den Werken der Freiburger hinterlassen.

In der Denkschrift selbst werden im wesentlichen die Grundgedanken des Altonaer Pastorenbekenntnisses, das schon 1933 Erik Wolf zur Vorlage der von ihm formulierten Flugblätter diente, wiederholt. Die Unterordnung der Christen unter die weltliche Gewalt wird eingangs theologisch begründet (vermutlich von den beiden Pfarrern). Es folgt eine historische Betrachtung dieses Unterordnungsverhältnisses, sicherlich von Ritter formuliert. Die Reformation - so der Historiker - habe die Gehorsamspflicht erneuert (Römer 13, 1-7). Ohnehin habe Luther dem Widerstandsrecht keine zentrale Bedeutung beigemessen, da ihm die kursächsische Obrigkeit äußerst gewogen gewesen sei. Damit verwies Ritter auf das Dilemma der Evangelischen im Dritten Reich. Nur durch vorsichtiges Umdenken, so im wohl von allen drei Verfassern gemeinsam niedergeschriebenen Schluß der Denkschrift, lasse sich ein Ausweg aus dieser erstarrten Unterordnung finden. Widergöttlichen Geboten müsse der Christ aus Pflicht seinem Glauben gegenüber widerstehen, die Prediger hätten dabei das Amt der Vermahnung und Bußrede auszuüben. Letzteres hieß sicherlich nicht, zum Widerstand aufzurufen, sondern eher bewußtseinswirkend zu handeln.

Trotz der Euphorie über die ungeheuren Erfolge der Bekenntnisfront in Freiburg war den Verfassern der tatsächliche einflußlose Stand der Bekennenden Kirche bewußt. Sie dringe nicht durch und werde ohnehin in dem von weltlichen Ideen (Rosenberg) durchdrungenen Volksstaat nicht angehört. Lediglich dieser Abschnitt ließe sich in dem Sinne interpretieren, daß nunmehr Widerstand auch mit anderen Mitteln geleistet werden müsse. Doch in der Denkschrift wird - wie auch gar nicht anders möglich - lediglich auf die wesentliche Aufgabe der Bekenner - die Predigt - verwiesen und die Selbstvergötterung der eigenen Rasse (durch die Deutschen Christen) gebrandmarkt.

Der Kirchenkampf in Freiburg war weder entschieden, noch beendet, sondern er ruhte, nicht zuletzt auf Weisung Hitlers für die Kriegszeit im ganzen Reich. Die Situation in Freiburg beruhigte sich darüber hinaus durch die Meldung Pfarrer Köllis für den Fronteinsatz. Die Leitfigur der Deutschen Christen war ausgefallen, so daß sich, weiter genährt durch die Kriegssituation eine gewisse Orientierungslosigkeit unter den nationalsozialistischen Glaubensanhängern ausbreitete. Vollends brach die einst so glaubensstarke Front zusammen, als Pfarrer Kölli nach längerer Krankheit am 1. August 1942 verstarb. Die Pfarrstelle wurde nach längeren Rangeleien, die aber nur noch ein Abglanz des alten Kirchenkampfes darstellten, nochmals mit einem Parteigenossen (Theodor Pfefferle) Anfang 1943 besetzt.[103] Doch die Anhängerschaft von Pfarrer Kölli, so der Bericht des Dekanats[104], hatte sich bereits 1942 verlaufen. Eine Auswertung der Besucherzahlen der sonntäglichen Hauptgottesdienste für die Jahre 1939 und 1940 ergab eine Zahl von 345 aktiven Deutschen Christen in Freiburg (davon 210 in der Ludwigskirche), denen insgesamt 1945 andere Evangelische, nicht unbedingt der Bekenntnisfront angehörende Christen gegenüberstanden. Statistisch gesehen besuchte etwa jeder zehnte Evangelische in Freiburg am Sonntag den Gottesdienst. Die Besucherfrequenz lag in der Christuskirche am höchsten (etwa 13%) und in der Ludwigskirche mit ca. 5% am niedrigsten.[105] Vermutlich sind diese Zahlen in den letzten Kriegsjahren erheblich gestiegen, was sich aus der drastisch abnehmenden Zahl der Kirchenaustritte schließen läßt. Das Jahr 1938 war mit 402 Austritten der Höhepunkt des Sich-Abwendens von der Evangelischen Kirche und dem christlichen Glauben schlechthin, da die Marke der Konversionen höchstens bei 10% lag. Die niedrigste Austrittszahl, ganze 15 Personen, ist für das Jahr des Zusammenbruchs 1945 belegt.[106]

Wie weit diese zunächst zaghafte, dann jedoch verstärkte Rückwendung zur Kirche in den Kriegsjahren die Diskussion im Freiburger Konzil beeinflußt hat, läßt sich nicht nachweisen, steht indes zu vermuten. Die allgemeine Verschlechterung der Kriegslage für Deutschland - den Sieg über Frankreich hatte Ritter noch überschwenglich gefeiert - und der Völkermord im Rücken der Ostfront sind sicherlich wichtige Anstöße gewesen, sich nun auch Gedanken über die Zeit nach Kriegsende zu machen. Doch das Motiv, die evangelische Kirche nunmehr endlich zu stärken und zu vereinen sowie ihr einen Platz in der Lutherischen Ökumene zu sichern, war bestimmt ebenso tragend. Letztendlich war die zweite Denkschrift eine Auftragsarbeit seitens Berliner Widerstandskreise, voran Bonhoeffers, an die Freiburger, um protestantisch-kirchliche Vorstellungen über Deutschland nach dem Kriege der englischen Hochkirche und damit der "Feindseite" zu übermitteln. Dies erfüllte den Tatbestand des Hochverrats, war aber womöglich auch, wie alle Auslandskontakte des deutschen Widerstandes, von dem Verlangen mitgetragen, noch ein günstiges Kriegsende auszuhandeln und die totale Zerstörung Deutschlands zu vermeiden.[107] Nunmehr waren für die Anhänge, etwa zur Rechtsordnung, zur Wirtschaftspolitik und zur Judenfrage, auch die Experten (Wolf, Eucken und v. Dietze) gefragt. Die Hauptarbeit und Schlußredaktion fielen wiederum Gerhard Ritter zu[108], so dass sich die theologische und historische Hinführung weitgehend wie eine Wiederholung der ersten Denkschrift liest. In den Anhängen der Experten wurde keineswegs die spätere Bundesrepublik Deutschland geistig begründet. Die Expertisen waren in bewusster Abkehr von der Weimarer Zeit dem Gemeinschaftsgeist der Zeit verhaftet. Nunmehr sollte, nach dem Abtritt der Nationalsozialisten, die echte Volksgemeinschaft hergestellt werden. Dabei wollte und sollte die Evangelische Kirche entscheidend mitgestalten helfen. Die Freiburger Professoren hatten für diese Aufgabe ihr Rüstzeug in einem bald 12-jährigen internen Kirchenkampf erlangt.

Ein Urteil der Karlsruher Kirchenleitung über diese Zeit und die Verfehlungen einzelner Geistlicher steht exemplarisch. Es wurde bei dem Nachfolger Köllis, Pfarrer Pfefferle, statuiert, hingegen bei Pfarrer Albert, der die nationalsozialistische Christenbewegung entscheidend mitgestaltet und zur Hetze in dem von ihm maßgeblich redigierten Kampfblatt "Der Deutsche Christ"[109] beigetragen hatte, ausgesetzt. Auch die Kirchenleitung maß offensichtlich nach 1945 mit zweierlei Maß. An den Freiburger Pfarrer Pfefferle schrieb Landesbischof Kühlewein am 18. Februar 1946: "Inwieweit Ihre Verkündigung von dem Bekenntnisstand der Landeskirche abgewichen ist, mag hier dahingestellt bleiben. Soviel ist sicher, dass Sie die deutschchristlichen Bestrebungen nachdrücklichst unterstützt haben, obwohl Sie als Theologe und der von Ihnen behaupteten lehrmäßigen Einstellung erkennen mussten, dass, wenn die nationalsozialistische Einigung Deutsch Christen in der Kirche zum Sieg kommen würde, eine biblische bekenntnismäßige Wortverkündigung nicht mehr geduldet und damit die Kirche Jesu Christi in ihrer sichtbaren Erscheinungsform beendet wäre. Der Oberkirchenrat kann es daher nicht vertreten, Sie vorerst weiter amtieren zu lassen."[110]

Abkürzungen:

A/ KGA
Archiv, Kirchengemeindeamt, Freiburg im Breisgau
A/ OKR
Archiv, Evangelischer Oberkirchenrat Karlsruhe
Dok.
Dokument Nr....der vierbändigen Quellensammlung: "Die Evangelische Landeskirche in Baden im 'Dritten Reich'. Quellen zu ihrer Geschichte." Hg. von Hermann Erbacher:
Bd. I: 1931-1933, Karlsruhe 1991.
Bd. II: 1933-1934, Karlsruhe 1992.
Hg. von Gerhard Schwinge: Bd. III: 1934-1935, Karlsruhe 1995.
Bd.IV: 1935-1945, Karlsruhe 2003.
UAF
Universitätsarchiv Freiburg im Breisgau

Die gültige Fassung ist die gedruckte

"Professoren und Bekennende Kirche. Zur Formierung Freiburger Widerstandskreise über den evangelischen Kirchenkampf" in: Nils Goldschmidt (Hg.): Wirtschaft, Politik, Freiheit. Tübingen 2005. S.27-55.


Für sachdienliche Hinweise sei Alexander Hollerbach gedankt.

[1] Wahl am 27. Sept. 1933, Amtseinführung am 23. Sept. 1934 Standardwerk, über die Kirchen im 'Dritten Reich', auch zum evangelischen Kirchenkampf: Klaus Scholder: Die Kirchen und das Dritte Reich. Bd. 1: Vorgeschichte und Zeit der Illusionen, Berlin 1971. Bd 2: Das Jahr der Ernüchterung 1934: Barmen und Rom, Berlin 1985. Gerhard Besier, Bd. 3: Spaltungen und Abwehrkämpfe 1934-1937, Berlin 2001. Hier Bd. 1, S. 624 und Bd. 2, S. 321-326.

[2] A/ KGA Bd. 77/1, Erlaß Nr. A 1699, Außerdem waren Predigttexte vorgegeben und die Beflaggung aller Kirchen, u.a. auch mit der Hakenkreuzfahne, angeordnet.

[3] Vgl. die Studie von Caroline Witt: Evangelische Pfarrer zwischen Christentum und Nationalsozialismus. Die Heidelberger Geistlichen Heinrich Vogelmann, Karl Höfer und Hermann Maas 1930-1939, MA Freiburg 2002, sowie das Dissertationsprojekt der Verfasserin: Die Bekennende Kirche Badens in der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1939). Das Wirken von Karl Dürr.

[4] Dagmar Rübsam und Hans Schadek (Hg.): Der "Freiburger Kries". Widerstand und Nachkriegsplanung 1933-1945. Katalog einer Ausstellung, Freiburg 1989. Widerstand im 'Dritten Reich'. In: 'Freiburger Forum', Nr. 12, September 1988 und das Heft 102 vom Dezember 1988 der 'Freiburger Universitätsblätter' mit dem Thema "Wiederhergestellte Ordnungen: Zukunftsentwürfe Freiburger Professoren 1942-1948."

[5] Gerhard Ritter (1888-1967) seit 1925 Professor für Neuere Geschichte. Christoph Cornelißen: Gerhard Ritter. Geschichtswissenschaft und Politik im 20. Jahrhundert, Düsseldorf 2001, S. 400: "I am the sole German historian...advising the so-called Confessing Church." Siehe auch das Vortragsmanuskript von Frido Ritter ( 3. Februar 1981): Die Bekennende Kirche - Der Freiburger Kreis (Kopie im UAF).

[6] Constantin von Dietze bemerkte selbstkritisch "Wer Professor im Dritten Reich war, der konnte nicht schuldlos bleiben, auch der beste nicht, auch diejenigen nicht, die im Kampfe gegen das Regime ihr Leben bewußt einsetzten und verloren..." (Die Universität Freiburg im Dritten Reich. In: Mitteilungen der List-Gesellschaft 3(1960-62), S. 95-105. Dietze (1891-1973) war von 1937 an Professor für Volkswirtschaftslehre in Freiburg, trat 1933 in die Deutsche Arbeiterfront, die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt und den Reichslandbund (Reichsnährstand) ein (UAF, Nachlaß Dietze, Box 5), und bekleidete 1946-1949 das Rektorat. 1945 wurde er in den Stadtrat aufgenommen. Walter Eucken (1891-1950), seit 1927 Professor für Volkswirtschaftslehre, mied hingegen jedes öffentliche oder universitäre Amt. Dietze war überdies Praeses der Gesamtdeutschen Synode der Ev. Kirche in Deutschland von 1955 bis 1961.

[7] Hans-Georg Dietrich: Die evangelische Kirchengemeinde Freiburg 1933-1945 in der Begegnung mitd dem Nationalsozialismus. Aspekte eines schwierigen Jahrzwölfts. In: Zeitschrift des Breisgauer Geschichtsvereins 'Schau-ins-Land' 110(1991), S. 213-255.

[8] A/OKR: Dekanat Freiburg, Kirchenvisitationen 1933-1940. Bericht vom 6. Oktober 1933. Der Rest verteilte sich auf das Diakonissenhaus und Vororte, wo häufig behelfsmäßig evang. Gottesdienste stattfanden.

[9] Ernst Schulin: Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Freiburg 1807-1982, Freiburg i. Br. 1983.

[10] Siehe den Beitrag von Dieter Speck "Informelle Strukturen in der Philosophischen Fakultät" in dem Sammelwerk von Eckhard Wirbelauer (Hg.): Die Philosophische Fakultät der Universität Freiburg. Mitglieder-Strukturen-Vernetzungen 1920-1960, Freiburg i. Br. 2004 und die Magisterstudie von Sandra Heim: Professorale Zirkel und Bildungsbürgerliches Milieu in Freiburg (1871-1918), Freiburg 2004.

[11] Bernd Martin: Die philosophische Fakultät der Universität Freiburg 1914-1960. Das politisch-weltanschauliche Umfeld. In: Wirbelauer (Anm. 10).

[12] Hermann Erbacher: Die Evangelische Landeskirche in Baden in der Weimarer Zeit und im Dritten Reich 1919-1945. Geschichte und Dokumente, Karlsruhe 1983, S. 12-21. Die landeskirchliche Vereinigung (LKV), eine überparteiliche und sehr kleine Gruppierung, stellte schon 1932 keine eigenen Listen mehr auf.

[13] Thomas Schnabel: Evangelische Kirche und Nationalsozialismus: Das Beispiel Freiburg. In: Ernst-Otto Bräunche u.a. (Hg.): 1933. Machtergreifung in Freiburg und Südbaden, Freiburg 1983, S. 59-62.

[14] Ebenda S. 61. A/OKR: Personalia Wilhelm Albert.

[15] Ernst-Otto Bräunche: Die Entwicklung der NSDAP in Baden bis 1932/3. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 125(1977), S. 332-375. Bernd Martin: Assimilation, Integration oder Zwangsanpassung? Streiflichter zur Geschichte der Juden in Deutschland, Baden und Freiburg in der Zeit des Deutschen Reiches (1871-1945). In: Freiburger Universitätsblätter 162(2003), S. 91-105.

[16] Bruno Schwalbach: Erzbischof Konrad Gröber und die deutsche Katastrophe. Sein Ringen um eine menschliche Neuordnung, Karlsruhe 1994. Kritischer Ursula Richter: Das Verhältnis zwischen Bischof und Klerus in der Herausforderung durch den nationalsozialistischen Staat. Das Beispiel Freiburg im Breisgau. MA-Studie Freiburg 1985.

[17] A/KGA Band 11/2, z.B. die Nachnominierungen der Deutschen Christen vom 11. Februar 1938 für den Kirchengemeindeausschuss. Gerhard Ritter wohnte in der Mozartstraße 48, hätte somit eigentlich zur Ludwigskirche gehört, wanderte indes zur Christusgemeinde ab.

[18] Ebenda: Niederschrift der Vorsitzenden des KGR über ein Gespräch mit Vertretern der kirchlich-liberalen Gruppe, angeführt von Professor Aschoff (vor den Wahlen am 10. Juli 1932). Auf der Einheitsliste für den Kirchengemeindeausschuss findden sich die vier Universitätsprofessoren Aschoff, Fabricius, Gurlitt und Wolf.

[19] Ebenda: Zur Lutherfeier am 18. Februar 1934 (Todestag Luthers) wurde Gurlitt zusammen mit Professor Barner und Rektor Fritz (beide Deutsche Christen) in den Festausschuss bestimmt und anschließend, wegen der musikalischen Gestaltung, besonders bedankt (Sitzungen 9. Januar und 13. März 1934). Zu Gurlitts späterer, durch den Rektor Metz erzwungenen Entlassung siehe Bernd Martin: Die Entlassung der polnischen Lehrkräfte an der Freiburger Universität und die Bemühungen um ihre Wiedereingliederung. In: Freiburger Universitätsblätter 129(1995), S. 7-46.

[20] A/KGA Band 11/0, Heft 3, Organisation der Kirche: "Die Mitglieder des Evangelischen Kirchengemeinderates" (1932). Siehe auch Verfassung der vereinigten evangelisch-protestantischen Landeskirche Badens vom 24. Dezember 1919, Karlsruhe 1920.

[21] Ebenda, Vorschlagsliste. Einziger und folglich auch gewählter Universitätsprofessor war Erik Wolf.

[22] Schon 1973 betonte Klaus Scholder die besondere Rolle des Gauleiters: Baden im Kirchenkampf des Dritten Reiches. Aspekte und Fragen. In: "Oberrheinische Studien", Bd. II, Hg. von Alfons Schäfer, Bretten 1973, S. 223-243.

[23] Dok. Nr. 4.

[24] Dok. Nr. 3.

[25] A/OKR Personalia Hermann Weber (8. August 1892-15. März 1937).

[26] Hans Pfeifer: Bekennende Gemeinde (1933-1935). In: Die Christuskirche in der Wiehre. Streiflichter aus hundert Jahren 1891-1991, Freiburg 1991, S. 36-42.

[27] Bräunche (Anm. 13), S. 9.

[28] A/KGA Band 11/1, Protokolle Sitzungen des Kirchengemienderates.

[29] Bräunche (Anm. 13), S. 36.

[30] Zu diesen Vorgängen die Studie von Hugo Ott, u.a. die Biographie Martin Heideggers (Frankfurt am Main 1988) und das Kompendium des Vf.: Martin Heidegger und das 'Dritte Reich', Darmstadt 1989.

[31] Mathias Zeller: Neue Freiburger Universitätsinstitute im Dritten Reich: "Zwischen Rassenkunde und Rundfunkwissenschaft, MA-Studie, Freiburg i. Br. 2002.

[32] Bernd Martin: Heidegger und die Reform der deutschen Universität 1933. In: Freiburger Universitätsblätter 92 (1986), S. 49-70.

[33] Martin, Heidegger, S. 24. Entsprechend einer Eintragung in das Tagebuch Sauer (Josef, Professor für christliche Archäologie) am 13. Mai 1933 "Er fühlte sich offenbar als der geborene Philosoph und geistige Führer der neuen Bewegung, als der einzige große und überragende Denker seit Heraklit."

[34] Klaus Schwabe und Rolf Reichardt (Hg.): Gerhard Ritter. Ein politischer Historiker in seinen Briefen, Boppard 1984. Nr. 48, Brief an Oncken vom 1. Oktober 1933.

[35] Erik Wolf (1902-1977), Parteimitglied seit 1937, Parteinummer 4715792 (Akte des Bundesarchivs Berlin, ehem. Document Center). Wolf wurde am 1. Oktober 1933 von Heidegger zum Dekan der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät bestimmt und trat mit diesem am 28. April 1934 zurück. Ott, Martin Heidegger, S. 226/7. Aussprache Eucken mit Sauer (Tagebucheintragung). Zu Wolfs Irrtum siehe Alexander Hollerbach: Im Schatten des Jahres 1933: Erik Wolf und Martin Heidegger. In: Freiburger Universitätsblätter 92(1986), S. 33-47.

[36] UAF, Senatsprotokolle Sitzung vom 12. Juli 1933.

[37] UAF, Senatsprotokolle Sitzung vom 12. Juli 1933. Faksimile in Rübsam/ Schadeck (Anm. 4), S. 27.

[38] A/KGA Band 15/2, Organisation der Kirche: Sitzungsprotokoll vom 25. April 1933.

[39] Ebenda als Anlage, datiert vom 11. Jan. 1933, siehe Scholder, Kirchen Bd. I, S233-238.

[40] Faksimile bei Rübsam/Schadeck, S. 54/55.

[41] Dok. Nr. 431 und 481. Angeblich besuchten in Freiburg 1500 Menschen die Kundgebung.

[42] Seit 5. März 1933. Erbacher, Ev. Landeskirche, S. 20.

[43] Dok. Nr. 666 S(20. Juli 1934).

[44] A/OKR Personalia, Wilhelm Albert *1895 Karlsruhe, 1925-1933 Jugendpfarrer in Freiburg, 1933-1947 in Gundelfingen, 1947 bis zur Pensionierung 1964 in Sexau.

[45] 32 Deutschen Christen standen 25 Positiv-Christliche gegenüber. Erbacher, Ev. Landeskirche, S 43.

[46] Siehe oben Anmerkung 20.

[47] Julius Kühlewein (1873-1948) war von 1921 bis 1924 Pfarrer der Christuskirche, über seine Wahl und Einsetzung als Bischof siehe Erbacher, Ev. Landeskirche, S. 39-42.

[48] Scholder, Baden im Kirchenkampf, S. 231.

[49] Dok. Nr. 643.

[50] A/OKR, Dekanat Freiburg, Bericht Oberkirchenrat Voges vom 12.4.1934 über die Kirchenvisitation in Freiburg.

[51] Scholder, Kirchen Bd. I, S. 701-722.

[52] A/KGA Bd. 11/1, Protokoll der Sitzung des Kirchengemeinderat vom Dez. 1933.

[53] Scholder, Bd. II, S. 34.

[54] A/KGA Bd 11/2, Liste der ausgeschiedenen Mitglieder des Kirchengemeindeausschusses vom 22. Jan. 1935 (Karl Berchmüller).

[55] Dok. Nr. 862.

[56] Dietrich, Evangelische Kirchengemeinde, S. 221.

[57] Dok. Nr. 1121.

[58] Dok. Nr. 1128.

[59] Schwabe/Reichardt, Briefe Ritters vom 19. Mai und 12. Juni 1934.

[60] Corneließen, Ritter, S. 350.

[61] Schwabe/Reichardt, Brief Ritters vom 19. Mai 1934. Nils Goldschmidt: Entstehung und Vermächtnis ordoliberalen Denkens. Walter Eucken und die Notwendigkeit einer kulturellen Ökonomik. Münster 2002, S. 117 (Brief Euckens vom 3. Mai 1934).

[62] Siehe oben, Anm. 57.

[63] A/KGA Bd. 11/1, Protokolle des Kirchengemeinderates 19. Juni 1934.

[64] Dok. Nr. 1176 (4.-6. Juli 1934).

[65] Pfeiffer (Anm. 26), S. 38.

[66] Constantin von Dietz wurde immerhin von einer Studentin (Stefanie Baudendistel) denunziert und am 8. Sept. 1944 verhaftet (UAF B34/1085).

[67] Rübsam/Schadeck, S. 36 (Abkündigungen).

[68] Siehe Auszüge aus Briefen Euckens an seine Mutter bei Goldschmidt (Anm. 61), S. 121-124.

[69] Siehe die Erinnerungen des ehemaligen Studentenpfarrers Herbert Wettmann: Studentengemeinde und Pfarramt, in: Christuskirche (Anm. 26), S. 108-112. Wie Lampe und Eucken allerdings mit Erick Wolf nach den erbitterten Streitigkeiten im WS 1933/34 (Ott, Martin Heidegger, S. 225-28 und 234-38) in der Kirche miteinander auskamen, läßt sich durch Quellen nicht belegen und muß daher als Frage unbeantwortet bleiben.

[70] Erbacher, Ev. Landeskirche, S. 42-46. Siehe ausführlich auch die Dokumentation, Bd. III.

[71] A/KGR Bd. 15/2, Sitzung des Rechnungsausschusses vom 11. Sept. 1934.

[72] Dietrich, Ev. Kirchengemeinde, S. 226.

[73] A/KGA Bd. 11/1, Protokoll der Sitzung des Kirchengemeinderats vom 25. Sept. 1934.

[74] Ebenda, Sitzungen vom 16. und 30. Okt. 1934.

[75] Fritz Kölli (10. Okt. 1900-1. Aug. 1942) wurde 1933 Pfarrer in Mannheim. A/OKR, Personalakte Kölli, zur Amtseinführung die Akte über die Pfarrei der Ludwigskirche.

[76] Archiv Ev. Dekanat Freiburg, Akte: Die Diener der Kirche: Ludwigskirche, Bericht Dekan Horch vom 22.9.1942 über die Wiederbesetzung der Pfarrstelle an der Ludwigskirche.

[77] Anhang zum Bericht des Dekanats vom 22.9.1942 (A/OKR, Freiburg, Pfarrei Ludwigskirche).

[78] 13. Nov. 1934. Erbacher, Ev. Landeskirche, S. 45/46 und Dok. Nr. 1366.

[79] A/OKR, Freiburg, Pauluspfarrei. Karl Dürr, zuvor in Pforzheim als Pfarrer, wurde trotz vehementer Proteste der Deutschen Christen am 14. Sept. 1935 zum Pfarrer der Paulusgemeinde ernannt. Bei der Amtseinführung waren nur zwei Kirchenälteste zugegen, da die Deutschen Christen den Festakt mieden.

[80] Dok. Nr. 1636.

[81] Rübsam/Schadeck, S. 48-50. Faksimiles der Flugblätter der Bekenntnisfront. A/KGA Bd. 15/2, Rundschreiben Landesbischof Kühlewein vom 17. April 1935. Der Besuch des Reichsbischofs sei eine Veranstaltung der Deutschen Christen.

[82] Dietrich, Ev. Kirchengemeinde, S. 234/35. Goldschmidt, S. 123.

[83] Vollständiger Text der Ansprache Köllis in der Personalakte (Anm. 75). Dort auch der Bericht des Vertrauensmanns der Bekennenden Kirche.

[84] A/KGR Bd 11/1, Vorsitz im Kirchengemeinderat. Brief Ev. Oberkirchenrat - Dekan Schäfer vom 15. Okt. 1935. Siehe auch Dietrich, Ev. Kirchengemeinde, S. 232. Der Kirchengemeinderat hielt vom 2. Juli bis 25. Okt. 1935 keine Sitzungen ab. Fortan trat er nur sporadisch zusammen und wäre wegen der hohen Fehlquoten ohnehin beschlußunfähig gewesen. Auch Pfarrer Kölli nahm ab 11. März 1938 an den Sitzungen nicht mehr teil (Anwesenheitsliste für die Tagungen der Jahre 1933-1940).

[85] A/KGR Bd 11/2, Listen über Rücktritte Kirchengemeinderat und Kirchenausschuß. Bis Sept. 1936 waren in letzterem von insgesamt 100 Mitgliedern 33 ausgeschieden.

[86] "Der Deutsche Christ", Nr. 31 (1937).

[87] Dok. Nr. 1765.

[88] Goldschmidt, S. 123, Brief Euckens an seine Mutter vom 23. April 1937.

[89] Constantin von Dietze (1891-1973), siehe oben Anm. 6. Corneließen, S. 352. Dietze, dekorierter Frontoffizier aus dem Ersten Weltkrieg, wurde erneut im Herbst 1939 als Rittmeister der Reserve zum Stab einer Armee eingezogen. Er erhielt das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern, im September 1940 wurde er auf Antrag der Freiburger Universität uk (=unabkömmlich) gestellt (UAF, Nachlaß Dietze, Box 5). Dietze und Eucken kannten sich aus gemeinsamer Privatdozentenzeit in Berlin Anfang der 1920er Jahre. Die christliche Prägung im Hause Euckens nannte v. Dietze "Kulturprotestantismus" (UAF, Nachlaß Dietze, Box 6, Mappe 5).

[90] A/OKR, Freiburg, Christuspfarrei. Schreiben Ritter/Wolf an den OKR vom 24. Mai 1937 mit dem Vorschlag Otto Hof aus Friedrichstal für die vakante Pfarrstelle. Votum des Dekans Schäfer für einen Kompromißkandidaten vom 16. Juni 1937.

[91] Dok. Nr. 1883, Gesetz vom 25. Juni 1937.

[92] A/KGA Bd. 10/0, Heft 1: Organisation der Kirche, Finanzabteilung, Rundschreiben OKR Karlsruhe vom 25. Mai 1938.

[93] Ebenda: Am 31. Mai 1938 muß es zu einer spontanen Protestdemonstration in Karlsruhe beim Ev. Oberkirchenrat, dem Verwaltungsgebäude, gekommen sein. In einem Rundschreiben vom 28. März 1939 wies der Chef der Finanzabteilung auf diese Protestaktion hin und bestimmte, daß Zurücknahmen einstiger Proteste nicht mehr entgegengenommen würden. Eine Restgruppe ehemaliger Protestler war damit ausgegrenzt und sicherlich bei finanziellen Zuweisungen fortan benachteiligt. Zur Haltung von Bischof Kühlewein siehe Dok. Nr. 1890.

[94] A/KGA Bd. 25/2 Ludwigskirche.

[95] A/KGA Bd 10/0, Heft 1: Organisation der Kirche, Finanzabteilung, Flugblatt vom 20. Okt. 1938.

[96] Ebenda, Schreiben Finanzabteilung vom 30. März 1940.

[97] Ebenda, Schreiben vom 19. April 1940.

[98] A/KGA Bd 25/2, Ludwigskirche., Rundschreiben Fitzler vom 21. März 1939. Dietrich, Ev. Kirchengemeinde, S. 245, verharmlost die Auswirkungen, wenn er von "vereinzelten Protesten" spricht. Warum Fitzer jedoch nach 1945 ausgerechnet auf Antrag von Karl Dürr die Finanzen weiter verwaltete, bleibt rätselhaft. Die Weiterbeschäftigung exponierter Anhänger der Deutschen Christen nach 1945 war kein Einzelfall und geschah womöglich aus der Überlegung, daß diese nunmehr bußfähig und äußerst loyal sein würden. Entsprechende Untersuchungen über die Auseinandersetzung der Ev. Kirche mit ihrer braunen Vergangenheit fehlen.

[99] A/OKR, Freiburg, Kirchenvisitationen, Protokoll des Visitators, Pfarrer Fritz Horch (1894-1961, seit 1936 an der Friedensgemeinde tätig.

[100] Abdruck bei Schwabe/Reichardt, S. 635-654. Rübsam/Schadeck, S. 80. Corneließen, S. 354. Die Denkschrift war sicherlich eine Art Grundlage für Gespräche im "Konzil", an denen nunmehr auch sporadisch Katholiken, wie die beiden späteren Erzbischöfe Wendelin Rauch und Hermann Schäuble teilnahmen. Auch der Historiker Clemens Bauer (1899-1984), 1938 auf den Konkordatslehrstuhl berufen, nahm an den Sitzungen teil. Als Parteimitglied und Schulungsredner der NSDAP gelangte er nicht zum inneren Kreis der "Verschwörer", die Partei hingegen bezichtigte ihn des Doppelspiels (Martin, Philosophische Fakultät).

[101] Diesen Zusammenhang hat erstmals Goldschmidt bei Walter Eucken thematisiert, für die anderen Nationalökonomen steht eine solche Arbeit noch an. Einen ersten Versuch unternahm Ulrich Kluge: Der "Freiburger Kreis" 1938-1945, in: Freiburger Universitätsblätter 102 (1988), S. 19-40, hier vor allem S. 30/31.

[102] Adolf Lampe (1897-1948), von 1926 bis zu seinem Tode außerordentlicher Professor für Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft in Freiburg, hatte sich an der Arbeitsgemeinschaft Erwin-von-Beckerath, einem wirtschaftspolitischen Freiburger Kreis, beteiligt (Christine Blumenberg-Lampe: Das wirtschaftspolitische Programm der "Freiburger Kreise". Entwurf einer freiheitlich-sozialen Nachkriegswirtschaft, Berlin 1973). Auch Karl Diehl, über den Vorwurf erhaben, Nationalsozialist gewesen zu sein, preist in seinem Buch die nationalsozialistische Volkswirtschaft als gelungenen Mittelweg zwischen marxistischem Sozialismus und Liberalismus (Der Einzelne und die Gemeinschaft, S. 311-332).

[103] A/OKR Personalakte Fritz Kölli.

[104] Siehe oben Anm. 76 und 77.

[105] A/KGA Bd. 11/0, Heft 3: Organisation der Kirche. Schreiben Dürr an Ev. Oberkirchenrat betr. Kirchenbesucherzahlen vom 15. Juli 1941.

[106] A/KGA Kirchenaustritte.

[107] Bernd Martin: Deutsche Oppositions- und Widerstandsweise und die Frage eines separaten Friedensschlusses im Zweiten Weltkrieg, in: Der deutsche Widerstand, hrsg. von Klaus-Jürgen Müller, Paderborn 1986, S. 79-107.

[108] Abdruck der von Ritter 1945 leicht veränderten Fassung mit den Anhängen bei Schwabe/Reichardt, S. 655-774. Siehe auch Corneließen, S. 357-362.

[109] Schon bei dem Vorläufer "Kirche und Volk" hatte die Schriftleitung bei Pfarrer Albert gelegen, als das Blatt von Konstanz ("Volksblatt für Stadt und Land") nach Freiburg überwechselte. Ab 15. April 1934 erschien es als "Der Deutsche Christ - Sonntagsblatt der Deutschen Christen (Evangelische Nationalsozialisten), Gau Baden". Die Schriftleitung lag wiederum bei Pfarrer Albert/Gundelfingen. 1941 wurden kriegsbedingt alle Kirchenzeitungen eingestellt.

[110] A/OKR, Freiburg, Ludwigskirche: Schreiben Landesbischof Kühlewein an Pfarrer Pfefferle. Die Suspendierung erfolgte wegen Denunziation, die theologische Begründung rundete die Anklage ab, läßt sich aber auch als Selbstanklage Kühleweins verstehen, in den Jahren 1933 bis 1945 den Deutschen Christen zu weit entgegengekommen zu sein.

  Letzte Aktualisierung: 2013/04/19 | Datei: Freiburgerkreis.html | Validate: HTML, CSS