Aus unserem Gemeindebrief Oktober / November 2004

Grußwort

Kunst im Altarraum

Erntedank

Konfirmations-Jubiläum

Neue Öffnungszeit

Vater Unser: Meditativer Tanz

Vater Unser Wanderung

Vater Unser: Kinderbibeltag

Konfirmanden 2004/2005

Neue Strukturen in der Kirchengemeinde

Gedenkveranstaltungen zum Widerstand gegen das Dritte Reich

Freiburger Kreis und die Ökumene

Die Christuskirche und der Freiburger Kreis

Die Zukunft von einst

Mahnmalprojekt

Vorstellung der neuen Praktikantin

Kirchenmusik
Wiehremer Kindergarten

Schlechte Nachrichten aus dem ABC

Turmsanierung

 

 

Grußwort

Monatspruch Oktober: Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit(2. Korinther 3, 17)

Liebe Gemeinde,

groß prangt er an der Pfarrhausfassade unter dem Bildnis des Züricher Reformators Ulrich (Huld-rych) Zwingli, der Monatsspruch für den Oktober.
Aus der Einheitsübersetzung ist der Monatsspruch genommen. So ist er  viel dynamischer als in der Lutherübersetzung: „Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“ Er wirkt, er ist nicht nur so da, wie auch andere Dinge da sind.

Die Inschrift an der Fassade, lässt es offen: „Wo der Geist des Herrn, da ist Freiheit.“ Noch kürzer, noch prägnanter ist es im griechischen Urtext: „Wo nun der Geist des Herrn, Freiheit.“
Aus einer Ortsbestimmung wird ein Ausruf: Freiheit!!!
Schon in frühen Handschriften lesen wir das griechische Wort „ekei“: da. Abschreiber konnten oder wollten mit diesem absoluten Begriff der Freiheit nichts anfangen und haben die Ortsbestimmung „da“ eingefügt. Die meisten Übersetzer sind ihnen dabei gefolgt. Der Aussage wird dadurch die Dynamik genommen.
Der Geist des Herrn ist dynamisch, kraftvoll und ruft aus der Lethargie heraus, ruft die Freiheit aus, überall. Freiheit heißt das Programm der Christen. Wir sind frei!D
Das ist das Bekenntnis in und für unsere Zeit.
Das müssen wir wieder leben, das müssen wir in die Welt hineintragen. Das ist unsere Aufgabe.
Wir können das, weil wir in dieser Freiheit leben dürfen. Menschen und Mächte unterdrücken die Freiheit. Das geschieht nicht nur auf der großen Bühne der Politik. Das geschieht auch im Kleinen, im Verborgenen, in unserer Nachbarschaft. Dem haben wir im Geiste Gottes unsere Freiheit entgegenzusetzen. Unsere Welt sehnt sich nach Freiheit, im Großen und im Verborgenen. 
Wir wissen wohl, dass viele Menschen heute Freiheit nicht mit Christentum verbinden. Wir wissen wohl, dass viele Freiheitsbewegungen in der Geschichte im Namen Christi unterbunden worden sind. 

Gerade deshalb müssen wir der Welt deutlich sagen: „Wo der Geist des Herrn,  Freiheit !!!“

Ihr Wolfgang Kammerer

Im   Oktober   in der Christuskirche:
Gegenwarts-Kunst  im  Altarraum

Begegnungen gefragt und erwünscht!
Kirchen waren schon immer Orte in denen Kunst gezeigt wurde. Religiöse und profane Themen, vom Altertum bis in die Neuzeit, immer wieder haben Kunstschaffende ihre Werke in sakralen Räumen, in Kirchen gezeigt.
Im Evangelischen Kirchenbezirk Freiburg wurden Künstlerinnen und Künstler eingeladen, an dem Projekt “Altarbild” teilzunehmen und ihre Werke ab Herbst in den Altarräumen verschiedener Kirchen zu zeigen. Auch unsere Kirche ist dabei. 

Kirche und Kunst

Das Projekt “Altarbild”, wurde von der Evangelischen Erwachsenenbildung (EEB) ausgeschrieben, es möchte die Sprache der zeitgenössischen Kunst für eine begrenzte Zeit im Kirchenraum wirken lassen. Mit der Einladung an Künstler aus zwei großen südbadischen Künstlerverbänden erhoffe man sich künstlerische Aussagen in gegenwartsbezogenen Gestaltungen, die sowohl spirituelle Bezüge aus der Lebenswelt thematisieren, als auch Fragen an Kirche und Religion aufgreifen. Dabei wolle die Kirche durchaus auch Impulse aus der Begegnung mit Künstlerinnen und Künstlern und einer nichtkirchlichen Öffentlichkeit für unseren Glauben und für unsere Auseinandersetzung mit Gegenwartsfragen empfangen
Zwanzig Pfarreien haben sich im Kirchenbezirk mit ihren Kirchen für dieses Projekt zur Verfügung gestellt. Auch wir öffnen unsere Kirche mit dem Altarraum einem Künstler oder einer Künstlerin während drei Wochen (10. bis 31. Oktober). Das ausgestellte Kunstwerk kann dann auch in unser gottesdienstliches Leben einbezogen werden. Dabei können wir, in den  Begegnungen zwischen den “Partnern auf Zeit”, die Werke betrachten und diskutieren, außerdem sollen begleitende Veranstaltungen das Programm rund um die Altarbilder ergänzen. Eine Broschüre wird rechtzeitig erscheinen und über das Gesamtprojekt informieren.

Eine Jury mit namhaften Künstlern und Theologen trat zusammen, um die Werke für die beteiligen Kirchen auszuwählen.
Danach wurde unter Beteiligung von Gemeindemitgliedern das „Altarbild“ für die Christuskirche ausgewählt.
Beim Redaktionsschluss des Gemeindebriefes war das Kunstwerk noch nicht ausgewählt. Deshalb können hier noch keine Angaben zu begleitenden Veranstaltungen gemacht werden. Sie werden auf Plakaten und im Schaukasten bekannt gegeben.

Günter Hammer/Wolfgang Kammerer

Erntedank  

In den meisten Kulturen und Religionen der Welt wird ein Fest nach Beendigung der Ernte gefeiert. Die Menschen danken ihrer Gottheit oder ihrem Gott, dass die Felder getragen und sie dadurch genügend zu essen haben. Eine gute Ernte ist die Voraussetzung für Leben. Deshalb ist dieses Fest auch ein Dankfest zur Erhaltung des Lebens.

Dabei wird deutlich, dass die Menschen nicht alles selbst bewerkstelligen können. Wir sind abhängig vom Boden, dem Wetter, dem Klima allgemein. Die Menschen gehören zu dieser einen Welt. Wir sind Teil dieser einen Welt, Teil der Schöpfung. So bezeichnen wir die Welt, die Umwelt, die Mitwelt in der jüdisch-christlichen Tradition.

In der jüdischen Tradition gibt es verschiedene Erntedankfeste: das Laubhüttenfest - es wird vor allem für den Wein gedankt - und das Wochenfest - es steht der Dank für das Getreide im Mittelpunkt -  sowie das Passafest - Dank für die neuen Herden.

Aus diesen Festen hat sich auch unser Erntedankfest entwickelt, das in den verschiedenen Kirchen und Ländern dieser Welt ganz verschieden gefeiert wird. Es wird auch, und wahrscheinlich intensiver, da gefeiert, wo Menschen oft nicht wissen, ob und wie sie Lebensmittel für das Überleben bekommen können.

In unseren Gottesdiensten am Erntedankfest werden, besonders in unserer städtischen Umgebung, nicht nur die Früchte der Erde in den Dank an Gott, den Schöpfer und Erhalter des Lebens einbezogen, sondern die gesamte Schöpfung.

Wir laden herzlich ein zum Gottesdienst am Erntedankfest um 10.00 Uhr in der Christuskirche. Dieser Gottesdienst mit Taufe wird vorbereitet und gestaltet vom Christuskindergarten.

Aus der Gemeinde

KONFIRMATIONSJUBILÄUM

 Am 7. November 2004 feiern wir das Konfirmationsjubiläum.

Da wir schon einige Jahre dieses Jubiläum nicht mehr feierten, werden zur Diamantenen Konfirmation die Konfirmandenjahrgänge 1941 bis 1944 und zur Goldenen Konfirmation die Konfirmandenjahrgänge 1951 bis 1954 eingeladen.

Es ist für uns nicht einfach, die Adressen der Konfirmandinnen und Konfirmanden von damals ausfindig zu machen. Besonders die Konfirmandinnen sind schwer aufzufinden, da sie in der Regel heute einen anderen Familiennamen tragen.

Wer Auskunft über Konfirmandinnen und Konfirmanden dieser Jahre geben kann, möge sich bitte im Pfarramt melden. Dort können auch die Konfirmandenlisten eingesehen werden.

Gemeindemitglieder, die in diesen Jahren in einer anderen Kirche konfirmiert wurden, sind auch herzlich eingeladen.

Bitte melden Sie sich im Pfarramt.

Änderung der Öffnungszeiten im Pfarramt

Die schwierige finanzielle Situation der Evangelischen Kirchengemeinde Freiburg hat auch Auswirkungen auf die ganz konkrete Arbeit in den Gemeinden.

Das Deputat unserer Pfarramtssekretärin, Frau Koch, wurde gekürzt. Deshalb müssen auch die Öffnungszeiten im Pfarramt eingeschränkt werden.

Das Pfarramtsbüro ist geöffnet:

 

Dienstag 10.00 Uhr bis 12.00 Uhr

Mittwoch 15.00 Uhr bis 17.00 Uhr

Freitag 10.00 Uhr bis 12.00 Uhr

 

Das VATER UNSER im JAHR 2004

Meditativer Tanz „Meditation – Ausdruck – Bewegung“

Meditative Tänze zum Vaterunser

Ein ganz anderer und neuer Zugang zum Vaterunser: getanzt, mit Reinhild Pohl-Burbließ aus Einhausen in Hessen. Sie ist meditative Tanzlehrerin.

Sie schreibt dazu:

“und sie werden beim Reigentanz singen: all meine Quellen entspringen in dir“ (Psalm 87,7)
I
n vielen Religionen gibt es rituelle Bewegungen, um Inhalte und Wesen des Gebets, des Gesprächs mit Gott, leibhafter erfahren zu können. Der Reigentanz ist ein Bild des Lebens in der Wechselwirkung mit dem Mitmenschen und den Kräften der Welt, vor allen Dingen aber der Begegnung mit Gott und auf Gott hin. Er umfasst und beinhaltet alles, gibt jedem einen Platz: dem Großen und dem Kleinen, der Freude und dem Leid, dem Jubel und der Trauer, der Sehnsucht und der Erfüllung, der Einsamkeit und der Gemeinsamkeit, dem Zweifel und dem Glauben. Damit wird der Reigentanz zu einem Gespräch mit Gott, zu einem Gebet. Er ist getanzter Ausdruck all unserer Empfindungen, ist ein bewegendes Gebet mit der Quelle alles Lebenden.

 In der Verbindung von Musik, Bewegung und geöffneter inner Wahrnehmung geben wir uns die Chance, aufsteigende Bilder und Gefühle zuzulassen, sie leibhaft zu erspüren und damit ganzheitlich in ein Gespräch mit Gott einzutreten. In diesem Gebetsleben hat jede/r die Möglichkeit ihre persönliche Wirklichkeit des Glaubens be-greifen, er-greifen zu können und gleichzeitig eine bewegte Glaubenssprache in der Gemeinschaft zu erleben.

Ein Gebet erschließt sich uns, wenn wir uns die Zeit und die Muße nehmen, seinen Worten auf den Grund zu gehen. Dies können wir durch Nachdenken und gedankliches Erfassen oder indem wir die Worte in unserem Herzen bewegen und in uns lebendig werden lassen. Dann können wir ein Gebet erfühlen, es mitvollziehen und zu einem Teil unseres Lebens machen. Das Vaterunser ist das Hauptgebet  unseres christlichen Glaubens. Es kann zum innersten Kern unserer Lebensgestaltung werden, wenn seine Wahrheiten uns leiten und zu Impulsen des Denkens und Handelns für uns werden.

 An diesem Tanznachmittag laden wir ein, im ruhigen und lebhaften Meditativen Tanz Gottes-Anrede und Bitten des Vaterunsers in unser Leben zu verleihen, uns von ihnen in unserem Herzen, unseren Sinnen und unserem Leib bewegen zu lassen und daraus Kraft zu schöpfen für die Aufgaben unseres Alltags. Wir tanzen im Reigen nach vorgegebenen Schritten, die Formen sind einfach und bedürfen keiner tänzerischen Vorerfahrung.

„Feiert Gottes Namen beim Reigen“ Psalm 149,3

Ich freue mich auf unser gemeinsames Erleben. 

Dieser Tanznachmittag findet am Samstag, dem 9. Oktober 2004 von 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr im Gemeindehaus statt.
Der Beitrag für die Teilnahme beträgt 10,00 €.
Anmeldungen bitte im Pfarramt, Tel. 73140

Konfirmanden 2004/2005

 Insgesamt haben sich 32 Konfirmandinnen und Konfirmanden zum Konfirmandenunterricht angemeldet.  

Der Unterricht begann bereits im Frühjahr. Bis zu den Sommer-Ferien haben wir uns unregelmäßig getroffen. Die Stundenpläne der Konfirmanden machten ein kontinuierliches Treffen immer am gleichen Wochentag unmöglich.

Nach den Ferien wird jeden Mittwochnachmittag Konfirman-denunterricht sein.

Die Konfirmandinnen und Konfirmanden stellen sich am 10. Oktober im Gottesdienst der Gemeinde vor. 

NEUE   STRUKTUREN
IN  DER  KIRCHENGEMEINDE FREIBURG

In der Kirchengemeinderatssitzung am 16. Juli wurde nach jahrelangem Ringen die neue Struktur der Kirchengemeinde Freiburg einstimmig beschlossen:

„Es werden flächendeckend auf dem Gebiet der derzeitigen 18 Pfarrgemeinden nach einheitlicher, noch zu beschließender Rechtsform, Pfarrunionen gebildet. Zu einer Pfarrunion gehören mindestens drei ehemalige Pfarrgemeinden.

„Es werden in allen Regionen je eine moderierte Lenkungsgruppe eingerichtet.“ ...

 

Was heißt das jetzt im Klartext, besonders für die Christusgemeinde?

Die Pfarrunionen umfassen mindest drei Gemeinden. Das bedeutet bei 18 Gemeinden, dass höchstens sechs Pfarrunionen gebildet werden können. Sinnvoll ist, dass benachbarte Gemeinden in Pfarrunionen zusammengefasst werden. Gewachsene Verbindungen und bestehende Zusammenarbeit, aber auch historische Gesichtspunkte sollen beachtet werden.

Diese Pfarrunionen werden in den Lenkungsgruppen vorbereitet. Zur Lenkungsgruppe gehören der jeweilige Pfarrer/die jeweilige Pfarrerin und je zwei Gemeindemitglieder.

Es zeichnen sich vier Lenkungsgruppen ab für vier Pfarrunionen. Die Lenkungsgruppen sollen sich zu ihrem ersten Treffen im September zusammengefunden haben.

Zur Lenkungsgruppe Süd/Süd-Ost gehören die Auferstehungsgemeinde Littenweiler, die Friedensgemeinde Oberwiehre/Waldsee, die Matthias-Claudius-Gemeinde Günterstal, die Petrusgemeinde Unterwiehre und die Christusgemeinde.

Das erste Treffen war am 21. September.

Am 18. März 2005 soll durch einen Beschluss des Kirchengemeinderates die jeweiligen Pfarrunionen verbindlich zusammengeschlossen werden.

Wenn die inhaltlichen Konzepte der jeweiligen Pfarrunionen im Juli 2005 dargestellt worden sind, kann über das Immobilienkonzept beraten und in der Sitzung des Kirchengemeinderates am 9. Dezember 2005 beraten und entschieden werden.

Die Pfarrunionen werden dann als Gruppenpfarrämter organisiert sein. Eine andere Möglichkeit gibt es in der Badischen Landeskirche nicht.

Noch nicht entschieden ist jedoch, welche Rechtsform die entstandenen Pfarrunionen haben werden. Möglich ist, dass sie weiter Pfarrgemeinden der Kirchengemeinde Freiburg werden. Die andere Möglichkeit ist, dass die Pfarrunionen selbständige Kirchengemeinde mit eigenem Haushaltsrecht werden.

Die jeweiligen Gemeinden werden über den Stand der Diskussion informiert werden. Vor einem Beschluss ist der Gemeindebeirat und die Gemeindeversammlung zu hören.

Wir werden im Gemeindebrief/Gemeindeblatt über den jeweiligen Stand informieren.

Das Jugendprojekt Mahnmal

Das Jugendprojekt „Mahnmal“ erinnert an das Schicksal der am 22. Oktober 1949 nach Gurs deportierten Jüdinnen und Juden Badens.

Ziel dieses Projekts ist es, dass sich Jugendliche in Baden an ihren Heimatorten und Gemeinden auf Spurensuche machen und ihre Ergebnisse der Allgemeinheit präsentieren. Darüber hinaus sollen zwei identische Gedenksteine, sogenannte „Memorialsteine“ erstellt werden. Ein Stein bleibt vor Ort, der andere wird Teil eines zentralen Mahnmals in Form eines Davidsternes auf dem Gelände der Tagungsstätte der Evangelischen Jugend in Neckarzimmern.

Seit Anfang 2003 sind vier Jugendliche der Christusgemeinde mit meiner Begleitung an dem Projekt beteiligt. Mit großem Engagement befragen sie ZeitzeugInnen in ihrer Umgebung, gestalteten eine Mahnwache zum Jahrestag der Deportation, suchen nach „Stolpersteinen“ in der Wiehre und trafen Marlis Meckel, Koordinatorin der „Stolpersteinaktion“ in Freiburg. Auf dem EGJ-Forum 2003 motivierten sie andere Jugendliche aus Baden an dem Projekt teilzunehmen.

Als das Projekt im Rahmen der „Woche der Brüderlichkeit“ im März diesen Jahres im SWR von den Jugendlichen vorgestellt wurde, drückte Julia Bayer, als sie nach ihrer Motivation für dieses Projekt gefragt wurde, es folgendermaßen aus: „Unsere Generation ist die letzte, die noch mit Zeitzeugen in Kontakt kommen und das dokumentieren kann.“

Momentan setzen wir uns vor allem mit der Gestaltung der Memorialsteine auseinander.  Denn die Zeit drängt, das Mahnmal wird am 23. Oktober 2005, einen Tag nachdem sich die Deportation der badischen Jüdinnen und Juden zum 65. Mal jährt, an die Öffentlichkeit übergeben.

Sich auf das Aussehen der Steine zu einigen war für die Freiburger Gruppe kein Problem. Theresa Zimmermann: „Untypisch soll er sein. Unbearbeitet und mit Scherben drauf.“ Und Nora Freund fügt hinzu: „Wir wollen an das anknüpfen, was kaputt gegangen ist.“ Schwierig ist es für uns nach wie vor Sponsoren für die Steine zu finden. Es würde uns auch helfen, wenn uns      

jemand zeigen oder erklären könnte, wie man die Steine - sie sollen max. 1m hoch und 40x40cm breit sein - zur Not aus Ziegeln zusammenmauert, ohne dass sie beim ersten Regen oder Frost auseinander fallen.

Vielleicht hat ja jemand aus der Gemeinde einen guten Rat oder Tipp für uns?!

Textfeld:  Ansonsten sind wir noch mit der Stadt in der Diskussion, wo der Memorialstein in Freiburg seinen Platz finden kann. Jonjer Jennerjahn wünscht sich im Namen der Jugendgruppe einen möglichst zentralen Ort mit inhaltlicher Anbindung. „Alle, die vorbei kommen, sollen sich fragen: Was soll das?“

Wir laden Sie herzlich zu einem Zeitzeugenvortrag am Montag, den 18.10.2004 in das Evangelische  Jugendwerk in die Goethestrasse 2 ein. Dr. Kurt Maier aus Washington spricht von seinen Erlebnissen vor 64 Jahren, als er als 10-Jähriger mit seiner Familie nach Gurs deportiert wurde. Beginn ist um 19 Uhr.

Falls sie Fragen oder Anregungen zum Mahnmalprojekt haben, freuen wir uns angesprochen zu werden!
                                                                                            Heike Siepmann

 

Der Freiburger Kreis und die Ökumene.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts war die Wiehre in  Freiburg ein bevor-zugtes Wohngebiet für Professoren. Das galt besonders für die Pro-testanten unter ihnen, die angesichts des ihnen etwas fremden katho-lischen Umfelds den Kontakt unter einander pflegten, sodass ein enges soziales Geflecht und eine Atmos-phäre des Vertrauens zwischen diesen Häusern entstand. So waren z. B. die Familien des Philosophen Edmund Husserl, der Nationalöko-nomen Walter Eucken und Adolf Lampe und des Historikers Gerhard Ritter miteinander befreundet. Hin-zukam nach seiner Berufung 1937 nach Freiburg auch der Agrar-ökonom Constantin v. Dietze, der vorher eine Professur in Berlin gehabt hatte. Nicht selten waren philosophische, wissenschaftstheore-tische und auch theologische The-men, z. B. Husserls Phänomenologie, Gegenstand der gemeinsamen gesel-ligen Abende Seit Heideggers pro-nationalsozialistischem Rektoratsjahr 1933 schlossen sich diese und andere Familien auch politisch enger an- einander an. Sie stellten sich die Frage, was das christliche Gewissen in diesen Zeiten von ihnen verlangte Es verwundert dann auch nicht, dass die Pfarrer der Christuskirche, Her-mann Weber, der die Bekennende Gemeinde in Freiburg gründete, und dessen Nachfolger, Otto Hof, bald die Aufmerksamkeit dieser  Gelehr-ten fanden, und vor allem Gerhard

Ritter und Adolf Lampe für die Be-kennende Kirche gewinnen konn-ten. Constantin v. Dietze war schon Mitglied der Bekennenden Kirche, als er nach Freiburg kam. v. Dietze und Lampe haben sich nach dem Reichspogrom vom 11.November 1938 für die Gründung des „Freiburger Konzils“, eingesetzt, das die notwendigen Konsequenzen for-mulieren sollte. In dessen Namen hat Gerhard Ritter eine erste Denk-schrift, „Kirche und Welt, eine notwendige Besinnung auf die Aufgaben der Christen und der Kirche“ verfasst. Die Bereitschaft zum Widerstand gegen den Natio-nalsozialismus war unter den Ge-nannten seither  vorhanden. Durch diese Denkschrift war auch Pfarrer Dietrich Bonhoeffer auf die Frei-burger  Gegner des Nationalsozia-lismus aufmerksam geworden und daran erinnerte er sich, als er Anfang Juni 1942 bei einer Begegnung mit dem  englischen Bischof Bell in Schweden einen bestimmten Auftrag erhielt. Die ökumenische Bewegung mit ihrem Generalsekretär Willem Visser ’t Hooft in Genf und Vertreter der anglikanischen Kirche in Eng-land, unter Führung der Bischöfe, Temple und Bell, hatten bald nach Kriegsbeginn begonnen, sich Ge-danken darüber zu machen, wie man nach dem Ende des Krieges und einer Beseitigung des Nationalsozia-lismus einen dauerhaften und ge-rechten Frieden in Europa herstellen könne, der nicht wie der Versailler Vertrag  Grund zu neuen Kriegen sein würde. Darum sollten von vor-neherein auch deutsche Vertreter an diesen Planungen beteiligt werden. Durch Bonhoeffer wusste Bell seit 1934 von der Bekennenden Kirche und erfuhr durch ihn  nun von einer großen Widerstandsbewegung, die Hitlers Beseitigung plante. Das über-zeugte ihn davon, dass es in Deutschland vertrauenswürdige Part-ner für eine solche Planung gab. Er machte also Bonhoeffer den Vor-schlag, deutsche Wissenschaftler zu finden, die für gewisse Bereiche einer Friedenslösung Vorschläge ausarbeiten sollten. Gedacht war da-bei an einen Plan für die wirt-schaftliche Neuordnung Europas nach dem Kriege. Hier mag der Name C. v. Dietze bereits genannt worden sein, weil Bonhoeffer und Bell wussten, dass er bereits für die Teilnahme an einer ökumenischen  Konferenz in Oxford 1937 vorge-sehen gewesen war, an der deutsche Vertreter dann nicht teilnehmen konnten. Es ist ja immerhin bemer-kenswert, dass der Auftrag nicht an den Kreisauer Kreis ging, zu dem die Widerstandszelle in der Abwehr, zu der Bonhoeffer gehörte, Kontakt hatte.

Nach seiner Rückkehr aus Schweden informierte Bonhoeffer zunächst die Vorläufige Kirchenleitung der Be-kennenden Kirche, die der offizielle Partner der geplanten Weltkirchen-konferenz nach Kriegsende sein sollte, und leitete dann in deren Namen die Bitte um Ausarbeitung      einer solchen Stellungnahme an den Freiburger Kreis weiter.  Die soge-nannte „Freiburger Denkschrift“, die in einem kleinen Kreis unter be-sonderer Geheimhaltung in der Zeit von September 1942 bis Januar 1943 ausgearbeitet wurde, war also streng genommen eine Auftragsarbeit der Ökumene. Zusätzlich motiviert hat sicher die Teilnahme Carl Goerde-lers, der mit Ritter und anderen bekannt war und an den Beratungen teilnahm, ja die Denkschrift für seine Regierung nach einem gelungenen Staatsstreich in Anspruch nehmen wollte.

Dietrich Bonhoeffer hat an den Besprechungen in Freiburg nicht mehr teilgenommen, wahrscheinlich, weil er vermeiden wollte, dass das Reichssicherheitshauptamt der SS,  das ihm gegenüber misstrauisch geworden war, sein Auge auch auf die Freiburger Professoren werfen würde. Er hat aber mit C. v. Dietze  bei dessen Besuchen in Berlin ge-sprochen und wahrscheinlich den Inhalt der im Januar fertig gestellten Denkschrift noch vor seiner Verhaf-tung im März 1943 kennen gelernt.

Die rasche Fertigstellung der Denk-schrift sollte nicht darüber hinweg-täuschen, dass es sich um das Er-gebnis einer sehr gründlichen inter-disziplinären Arbeit handelt, um den Niederschlag einer jahrelang gewa-chsenen Gesamtsicht, in der philo-sophische, historische, volkswirt-schaftliche und theologische Aspekte zusammen gekommen sind. Im Zen-trum standen Geschichte und dem Auftrag der Ökumene entsprechend die Volkswirtschaft. Den historisch-en Schwerpunkt bildete Gerhard Ritters Auffassung, dass die auf dem Boden des Christentums gewachsene gesellschaftliche Ordnung infolge der Säkularisation einem Vakuum Platz gemacht habe, das zum Entstehen autoritärer Staatsformen geführt habe. Sein Anliegen war, die Kirchen darauf aufmerksam zu machen, dass  ihnen hier ein Öffentlichkeitsauftrag erwachsen war, den Luther noch nicht gesehen hatte. Obwohl Ritter, selbst Lutheraner, zeit seines Lebens an der lutherischen Zwei-Reiche-Lehre fest-hielt, erneuerte er nun seine Auffassung vom politischen Auftrag der Kirche, die er unter dem Stichwort „Kirche und Welt“ schon in der ersten Denkschrift entwickelt hatte. Der volkswirtschaftliche Schwerpunkt geht vor allem auf Walter Eucken, Constantin v. Dietze und Adolf Lampe zurück. Hier wird der Gedanke der Freiheit zugrunde gelegt und betont, dass diese Freiheit ihren Ausdruck im gesellschaftlichen Wettbewerb finden müsse. Trotzdem wurde der Begriff des Kapitalismus als ungeeignet empfunden.  Denn die Freiheit bedürfe zu ihrer Entfaltung der Begründung in einer geistigen Ordnung, die als naturgegeben herauszuarbeiten und durch den Staat zu gewährleisten sei.

Die Verfasser der Denkschrift sind nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler entdeckt, verhaftet und schwer misshandelt worden. Die Denkschrift hat der Weltkirchenkonferenz in      Amsterdam 1948 vorgelegen, konnte aber ihr eigentliches Ziel nicht erreichen, da die Kirchen auf die Nachkriegsordnung kaum Einfluss nehmen konnten und deutsche Vertreter in Folge des totalen Zusammenbruchs nicht beteiligt wurden. Wieweit die Denkschrift bei der Gestaltung der Sozialen Marktwirtschaft eine Rolle gespielt hat, ist umstritten. Gerhard Ritter geriet später in die Kritik, er wurde nicht ganz zu Recht als  typischer Vertreter der nach 1945 einsetzenden Reaktion eingestuft. Ganz sicher ist er konservativ gewesen und sein Staatsdenken war nicht primär de-mokratisch. Er war aber neben Bon-hoeffer einer der ersten Lutheraner, die einen ausdrücklichen Öffent-lichkeitsauftrag der Kirche für das staatliche Leben formulierten, damit einer unkontrollierten Staatlichkeit eine Schranke gesetzt werden könne. Das Besondere der Denkschrift liegt ferner darin, dass die Freiheit des einzelnen nicht so sehr auf eine parlamentarische Verfassung gegrün-det, sondern durch einen ökono-mischen Ordnungsgedanken ge-sichert werden sollte, eine Perspektive, die durchaus als vorausschauend eingestuft werden könnte. 

Dr. theol. Hans Pfeifer
 

 

Gedenken an den „Freiburger Kreis“

Der Ältestenkreis hat beschlossen, nach der Sandstein-Sanierung des Kirchturms den Mitgliedern des „Freiburger Kreises“ zu gedenken. In der Nähe des Hauptportals soll eine Gedenkstele oder eine Gedenktafel deutlich machen, dass in der Christuskirche das Freiburger Zentrum der „Bekennenden Kirche“ während der Zeit des Nationalsozialismus war. Dabei soll das Engagement von Mitgliedern der Christusgemeinde, v.a. Constantin von Dietze, Walter Eucken, Adolf Lampe und Gerhard Ritter, und den Pfarrern im Kampf gegen die „Deutschen Christen“ gewürdigt werden.  

Vater Unser Wanderung“ am 26. Juni 2004  

Das „Vater Unser“ habe ich schon oft gebetet, und nun las ich von einer „Vater Unser Wanderung“ mit Pfarrer Kammerer von der Christus Gemeinde und der Matthias-Claudius-Gemeinde.

Am Samstag früh – einem sonnigen, aber kühlen Sommertag - traf ich auf die Wandergruppe am Kirchzartener Bahnhof. Sehr freundlich wurde ich aufgenommen und gemeinsam fahren wir mit dem Bus nach St. Peter.

Hier kenne ich nur die prachtvolle Klosterkirche und nun lerne ich die bescheidenere, doch von der Entstehung her sehr interessante Ursula Kapelle kennen. Der Bau geht zurück auf den Märtyrertod der hl. Ursula in Köln um 453. Nach einem Dorfbrand 1899 wurde die wiedererbaute Kapelle 1902 eingeweiht. Sie wird heute von beiden Konfessionen zu Gottesdiensten benutzt. Gemeinsam beten wir hier und in den folgenden Kapellen die einzelnen Bitten des „Vater unser“.

Der frische Wind lässt noch keine Sonnenwärme zu und wir wandern deshalb zügig zwischen Klostermauer und Friedhof  vorbei an typischen Schwarzwaldhäusern mit blühenden Vorgärten zur Soldatenkapelle. 1910 wurde sie auf den Namen des hl. Georg eingeweiht zum Gedenken an die 848 österreichischen Soldaten, die im ehemaligen Kloster von St. Peter, das 1813 als Lazarett benutzt wurde, gestorben sind.

Danach überqueren wir die nach St. Märgen führende Landstraße und genießen dann einen herrlichen Blick über blühende Wiesen zum Schwarzwald mit dem Feldberg. Wir verlassen St. Peter und lenken unsere Schritte zur Hofkapelle des Schafhofes.

Diesmal ist der Anlass der Erbauung erfreulich. Schafbauer Lorenz Gremmelspacher gelobte, eine Kapelle für die glückliche Geburt seines Sohnes zu erbauen.

Bergauf wandern wir jetzt den Kreuzweg entlang zum Lindenberg. Auch Eichendorff könnte hier gewandert sein – denke ich mir – und  unter einem Baum eines seiner romantischen Gedichte über diese schöne Landschaft geschrieben haben. Aber ein Funkmast auf einem der Hügel und in der Ferne auf dem Roßkopf die Windräder holen mich ins Hier und Jetzt zurück. Wir erreichen die Kapelle Lindenberg. Diese Kapelle hat eine sehr wechselvolle, wie auch für die Menschen im 1800 und 1900 Jh., und dramatische Vergangenheit  hinter sich – nachzulesen im Büchlein „Maria Lindenberg“ von Josef Läufer. Vor der Kapelle in der Mitte des Wallfahrtplatzes steht die Mariensäule. Am unteren Teil der Säule die vier Frauengestalten aus dem alten Testament Sara, Ester, Debora und  Judit.

Ein besonderer Ort - das spüre ich - aber auch die zunehmende „Sommerkälte“. Eine Mitwanderin erbarmt sich – vielleicht angeregt durch das Bild vom hl. Martin in der Kapelle? – und gibt mir eine Jacke ab.

Weiter geht es nun bergab auf dem Weg mit dem gelben Punkt durch den Wald bis zur Schwärzlehof-Kapelle, gebaut den frommen Eheleuten Johann und Barbara Molz im Jahre 1797 nach der Viehseuche des Kriegs- und Notjahres 1796.

Bald verlassen wir den Wald und folgen einem Pfad über Wiesen, an Hecken, Büschen und Bäumen vorbei in einer wunderschönen Landschaft zur Schneiderhof Kapelle, die liebevoll gepflegt und gehütet wird.

Einige Schritte weiter auf dem „gelben Pfad“ erinnert uns ein Gedenkstein
mit obiger Inschrift an eine handgreifliche Auseinandersetzung zwischen einem Ibenbacher und einem Rechtenbacher mit tödlichem Ausgang.

Der scharfe Wind vom Dreisamtal treibt uns  rasch weiter bergab in den schützenden Wald bis zur Abzweigung nach Ibental Wickenhof.               
Unten angekommen steuern wir die Kapelle an, die am Anfang des Ibenbachtales steht.  Wir werden bereits erwartet. Einer der Mesner schildert uns die Geschichte der Vaterunserkapelle. Nachzulesen im Buch von
Franz Kern „Das Dreisamtal mit seinen Kapellen und Wallfahrten“.

Inzwischen ist es Abend geworden. Eile ist angesagt, denn als wir in Sichtweite des Bahnhofs Himmelreich kommen, fährt unser Zug ein.

Es ist ein freundlicher Zugführer der wartet und auch den letzten Wanderer unserer Gruppe einsteigen lässt. Pfarrer Kammerer kündigt für 2005 wieder Wanderungen an. Hoffentlich kann ich mitwandern.

                                                                                         Angelika Hartmann   

Vorstellung der neuen Praktikantin
Liebe Christusgemeinde,

Seit Anfang September bewegt sich ein „neues Gesicht“ in den Räumlichkeiten der Gemeinde.

Ich möchte mich Ihnen kurz vorstellen, mein Name ist Heike Siepmann.

Ich studiere an der Evang. Fachhochschule hier in Freiburg Religionspädagogik und werde bis März 2005 im Rahmen dieses Studiums mein Praxissemester an der Christusgemeinde leisten.

Die Gemeinde ist mir nicht gänzlich neu, habe ich doch im Herbst 2002 die Leitung der Jugendgruppe übernommen. Heute beschäftige ich mich immer noch mit vier Jugendlichen der Christusgemeinde am sogenannten Mahnmalprojekt (siehe entsprechenden Beitrag im Gemeindebrief).

Neben der Begeisterung für die Arbeit mit Jugendlichen, freue ich mich jetzt sehr darauf durch Frau Gramling die Arbeit mit Familien und (Klein-) Kindern kennen zu lernen. Da ich selbst zwei Kinder (3 und 6 Jahre alt) habe, empfinde ich diese neue Herausforderung als Bereicherung.

Ich bin gespannt darauf, neue Erfahrungen zu machen und die Gemeinde besser kennenlernen zu dürfen!

Mit freundlichen Grüßen

Heike Siepmann

Die „Zukunft von einst“

Die Wiederkehr der Ausstellung bringt eine seltsame Erfahrung mit sich: Was vor über 15 Jahren in dem einzigartigen Zusammenwirken von Landeskirche, Stadt Freiburg, Histo-rischen Seminar der Universität, Pä-dagogischer Hochschule und Evan-gelischer Fachhochschule, von der die Einladung ausgegangen war, ermöglicht mit Hilfe der Konrad Adenauer- Stiftung, diverser Spen-den und verwirklicht durch die Gra-fikerin Ruth Bausenhardt (Günters-tal), war ein Rückblick auf Vorgänge in der Christusgemeinde und der Universität 50 Jahre zuvor. Von den aktiv Beteiligten lebte nur noch Frau Gertrud Lampe, wohl aber Nach-kommen, wie zum Beispiel der vormalige Pfarrer an der Christus-kirche, Frido Ritter und seine Frau Hildemargret, geb. Weber. Die Erin-nerung der Nachfahren hatte in den Jahren zuvor schon aufschlussreiche Diskussionen ausgelöst, die nicht ohne Spannungen verliefen. Die Zu-kunft von „Einst“ erscheint jedem und jedes Mal wieder neu und auch etwas anders! Diese heutigen Bilder mussten in das Denken und Ge-schehen einer vergangenen Zeit ein-gezeichnet und dann doch aus der gegenwärtigen Erfahrung heraus ge-staltet werden. So erging es nicht nur den Angehörigen, sondern auch den engagiert Forschenden. Viele Jahre hatte das Thema des Widerstands in Deutschland geruht – nicht nur in Freiburg. In ihm hatten unter größter

Lebensgefahr vor allem vier Mit-glieder der Christusgemeinde, die Professoren Walter Eucken, Con-stantin von Dietze, Adolf Lampe und Gerhard Ritter nach Beratung mit anderen eine Denkschrift formuliert, die in die Hände der Briten gelangen sollte: „Politische Gemeinschafts-ordnung. Ein Versuch zur Selbst-besinnung des christlichen Gewis-sens in den Nöten unserer Zeit“. Nach dem Attentat des 20. Juli 1944 wurden eine Kopie oder ein Hinweis darauf gefunden und die drei Letztgenannten zur Verurteilung vor dem Volksgerichtshof in Haft ge-nommen.

Gerhard Ritter hatte in seinem Buch über Carl Goerdeler und die deut-sche Widerstandsbewegung 1954 (Anmerkung zu dieser Denkschrift dort S. 511) erstes Interesse ge-weckt, aber erst als ich die von Helmut Thielicke und Philipp von Bismarck 1979 herausgebrachte Fassung in die Hand bekam, fand ich mich als Freiburger und Mitglied der Christusgemeinde irgendwie zuge-hörig, zumal auch für meine Lehr-veranstaltungen an der Evangeli-schen Fachhochschule der Einblick in die theologischen Hintergründe der Sozialen Marktwirtschaft be-deutsam zu werden versprach. Diese Denk - Schrift ist noch im Jahr 2004 nicht nur wissenschafts- und kir-chengeschichtlich aufschlussreich, sondern wieder tagespolitisch ak-tuell, wenn z.B. am 13. September 2004 in der Süddeutschen Zeitung unter der Überschrift „Die Zukunft von einst“ die Befürchtung Harald Welzers zu lesen ist: „Zwischen Hartz und Hitler geht die Demo-kratie aus einem stabilen in einen labilen Zustand über“: Ängste unter-graben den Sinn für eine sinnvolle Wirtschaftsordnung.

Die gegenwärtige Unsicherheit ange-sichts unabweisbarer Reformen im Sozialstaat kann blind machen ge-genüber der ethischen Situation, aus der heraus vor 60 Jahren in dieser Denkschrift erstmals die Grundsätze der Sozialen Marktwirtschaft ent-wickelt wurden. Philipp von Bis-marck 1979: „Hier ist eine geistige Bresche zu schlagen und das in un-serem Lande als Ergebnis christ-lichen Wertentscheidungen zu poli-tischer Wirksamkeit gelangte Ord-nungsmodell in den gebührenden Rang zu erheben, erscheint zugleich auch als ein wesentlicher Dienst an Europa“.

Die Vorgeschichte reicht weit zurück: Als Adolf Lampe sich schon 1923 an die Auseinandersetzung mit dem NS- Ideologen Gottfried Feder über die von den Nazis so genannte „Zinsknechtschaft“ wagte, wies die-ser in einem Schreiben vom 31.2.1923 „eine akademische Dis-kussion“ zurück mit dem Satz, man könne nicht „eine blutleere Diskussion abhalten, die an der        Judenfrage und deren inniger Be-ziehung zu den Krisenzuständen in der heutigen Weltwirtschaft vorbei-gehen möchte“. Lampe hatte an den Folgen seines Mutes während der ganzen Dauer seiner Lehrtätigkeit an der Universität zu tragen.

Andere kamen erst später und nach und nach zu der Einsicht, dass gerade die Ablehnung „blutleerer“, dafür aber wissenschaftlicher Dis-kussionen ein begründetes Handeln unmöglich macht. Die Ausstellung zeigt, wie dann die Treue zur Wissenschaft und zur Bekennenden Kirche Hand in Hand gingen. Die Einsicht in diese Zusammenhänge kam erst 1973 mit der dem Widerstand der Freiburger Kreise gewidmeten Dissertation von Christine Blumenberg - Lampe und der Veröffentlichung der Denkschrift 1979 ans Licht. Diese führte in Freiburg zuerst zu einer Veran-staltungsreihe der Evang. Erwach-senenbildung, bald auch zu per-sönlicher Bekanntschaft mit Christine Blumenberg- Lampe und ihrer Mutter, Frau Gertrud Lampe, Ehrensenatorin der Universität seit 1973, und mündete in die Gemeinschaftsarbeit dieser Aus-stellung.

1988 konnte ein Historiker noch in Frage stellen, ob es sich bei dieser „akademischen“ Schrift im strengen Sinne um Widerstand gehandelt hat, da ja kein Kampf stattgefunden habe und auch kein Blut geflossen sei.

Damals galt es, erst einmal „Wi-derstand“ als ein Handeln „in Frei-heit unter den Bedingungen der Ohnmacht“ zu definieren, so Hans G. Ulrich 1988 in Anknüpfung an eine Rede, die Bundespräsident Richard von Weizsäcker im Jahr 1986 zum Bedenken des 20. Juli 1944 unter Stichwort: „Attentat aus Gewissen“ gehalten hatte - auch die-se bildete einen Anstoß, sich dem „Widerstand“ der „Freiburger“ ein-gehender zu widmen. Das Thema lag auf einmal wie nie zuvor „in der Luft“.

Im Jahr 1988 entstand die im No-vember 2004 nun wieder in der Christuskirche zu sehende Aus-stellung in einem einzigartigen Zu-sammenwirken Freiburger Hoch-schulen mit der Stadt Freiburg und der Evang. Landeskirche, unter dem Ziel, sich dieses gemeinsamen Erbes zu vergewissern. Sie wanderte, da technisch entsprechend ausgerüstet, in zahlreiche Städte der Bundes-republik, kam nach 1989 auch nach Potsdam und Dresden, und forderte zum Verstehen, aber auch zu schroffer Ablehnung heraus, sogar zu aggressiven Reaktionen z.B. an der Dresdener Universität, wo u.a. Hakenkreuze auf die Tafeln ge-schmiert wurden  – dieser „ Bür-gerliche Widerstand“ passte nicht in die dort über Jahrzehnte geprägten Schablonen des Antifaschismus, wo-raus sich übrigens schon bei der ersten Veranstaltung in Freiburg ein Disput entwickelt hatte. Diese Zer-   störungen und allgemeine Ab-nutzung machten eine zweite Auf-lage mit aufwändiger Bearbeitung er-forderlich unter der Ägide von Prof. Winfried Schulz von der Universität der Bundeswehr in Neubiberg bei München, die auch die Transporte zu Ausstellungsorten bis nach Polen übernahm, und wo sie einen dauern-den Platz gefunden und bis nach Polen ausgeliehen wurde: Die Bun-deswehr stellte sich selbst in der Tradition dieses Widerstandes mit dieser Ausstellung, die zum 20. Juli 2004 durch das Walter Eucken- In-stitut für eine Präsentation an die hiesige Universität zurückkehrte, wo Prof. Bernd Martin die Hintergründe dafür dargelegt hat, dass Menschen in einer Kirchen- Gemeinde damals ein in seiner Art unvergleichliches Wagnis auf sich genommen haben.

Im Spätjahr 2004 könnte diese Ausstellung für die Debatte um Einschnitte im Sozialen Netz nicht nur nachdenklich machen über eine „behutsame Weiterentwicklung des nach dem Kriege Geschaffenen“ (Christine Blumenberg - Lampe 1986), sondern den Mut wecken, die akuten politischen Probleme wie damals vor dem moralischen Hintergrund des christlichen Gewissens anzugehen, gerade im Gegenüber zu marktschreierischen Parolen bei den neuen sogenannten Montagsdemonstrationen. Helmut Thielicke schrieb im Vorwort (S.6): „Gerade das, was man dieser Denkschrift in einigen ihrer Phasen

vorwerfen könnte: dass nämlich ihre Zukunftsvision nicht selten das negative Spiegelbild der Situation unter der Tyrannei war, kann zur Anklage des Heute werden. Es behaftet uns mit der Frage, was wir aus der Freiheit gemacht haben, die damals den Wüstenwanderern als Fata Morgana erschien.“

Kühn füge ich die Frage hinzu: Und welche Taten der Freiheit wagen wir heute, um die Soziale Marktwirtschaft unter veränderten Bedingungen zu retten? Beispiel für eine Parole: „Hartz statt Hitler“!

                                                              Prof.Dr.theol. Hans Ulrich Nübel

 

20. Juli 1944 – 20. Juli 2004
Die Christuskirche und der Freiburger Kreis

 Im November erinnert die Christusgemeinde mit der Veranstaltungsreihe „20. Juli 1944 - 20.Juli 2004 – die Christuskirche und der Freiburger Kreis“ an den Freiburger Widerstand und damit auch an ihre Mitglieder Walter Eucken, Constantin von Dietze, Adolf Lampe und Gerhard Ritter.

Ein ganz wichtiger Bestandteil dieser Reihe ist die Ausstellung „Widerstand und Nachkriegsplanung 1933-1945 – Der Freiburger Kreis“

Zu dieser Reihe gehören auch drei Vortrags - und Gesprächsabende zum Freiburger Kreis. Dabei wird die Bedeutung des Freiburger Kreises im kirchlichen und wirtschaftlichen Kontext, auch in der aktuellen wirtschafts- und sozialpolitischen Diskussion, bedacht.

Der ehemalige Pfarrer der Christusgemeinde, Dr. Hans Pfeifer, wird am
9. November über den Beitrag des Freiburger Kreises für die Ökumene berichten. Bitte beachten Sie auch den Beitrag von Herrn Pfeifer in diesem Gemeindebrief.

Wie sozial ist die Wirtschaftspolitik heute noch? Verabschieden wir uns von der Sozialen Marktwirtschaft? Am 11. November geht Dr. Manfred Lallinger, in der Katholischen Akademie Rottenburg-Stuttgart verantwortlich für den Bereich „Wirtschaft, Arbeit und Soziales“ diesen
Fragen nach und stellt dar, wie es heute angesichts neoliberalen Tendenzen im Blickfeld der Katholischen Soziallehre und der Sozialethik um die Soziale Marktwirtschaft bestellt ist. Herr Dr. Lallinger wohnt in der Wiehre. Pfarrer Dr. Jochen Gerlach, Wabern Hessen, ist ein Kenner der Verbindung von Theologie und Wirtschaft, Fachmann in wirtschaftsethischen Fragen. Er wird am 16. November über die protestantischen Wurzeln der Sozialen Marktwirtschaft berichten. Dabei wird die Konzeption des Freiburger Kreises, deren Mitglieder sich allesamt als bewusste evangelische Christen verstanden, in wirtschaftsethischer Sicht im Mittelpunkt stehen.

Die Vortrags- und Gesprächsabende beginnen jeweils um 20.00 Uhr im Gemeindehaus, Maienstraße 2.

Die exakten Titel der Vorträge stehen noch nicht fest.

Bitte beachten Sie die Handzettel und die aushängenden Plakate.

Die Ausstellung „Widerstand und Nachkriegsplanung 1933-1945 – `Der Freiburger Kreis´“ wird im November in der Christuskirche zu sehen sein. Der vorgesehene Termin ist zwischen dem 3. und 17. November. Der genaue Termin steht noch nicht fest.

Bitte beachten Sie auch den Beitrag von Herrn Nübel in diesem Gemeindebrief

Am 14. November wird Dr. Christine Blumenberg-Lampe – sie ist die Tochter von Prof. Adolf Lampe - nach dem Gottesdienst zu einem kurzen einleitenden Vortrag und zum Gespräch über die Ausstellung anwesend sein. Es ist sicher sehr interessant, wie sie aus ihrer Sicht die Arbeit des „Freiburger Kreises“ sieht.

Monatsspruch November

So spricht der Herr: Wahrt das Recht und sorgt für Gerechtigkeit; denn bald kommt von mir das Heil, meine Gerechtigkeit wird sich bald offenbaren.                        
                                                                                          Jesaja 56,1


                                                          

Aus dem Wiehremer integrativen Montessori - Kindergarten

Ehe die Sommerferien anfingen, feierten Kleine und Große einen Gottesdienst mit Pfarrer Kammerer, in dem die Schulanfänger vom Kindergarten Abschied nahmen und sie,  die „Maxis“, auch mit vorbereitet hatten, und bei dem Andacht bei allen im Kirchenraum gespürt und erfahren wurde.

Turnseeschule, Lorettoschule, die integrative Montessori - Schule Beethovenstr. und der Richard Mittermaier - Schule, Sprachheilschule und die Körperbehindertenschule sind die Stationen, auf die diese Kinder gut vorbereitet sind. Im Anschluss an den Gottesdienst gab es ein gemeinsames, besinnliches Kuchenessen.

So manches Jahresthema wurde dabei angesprochen, wie z.B. die Verkehrsberuhigung in der Lorettostraße, die Gartensanierung, das Montessori - Elternseminar und die Weiterentwicklung der Konzeption, natürlich auch das Qualitätsmanagement, die Hospitation von vier Erzieherinnen aus Kairo, auch der Tod von Stiftungsvorstand Gerhard Beermann, der unseren besonderen Kindergarten mit angeregt und ermöglicht hat.

Ebenso wichtig war das Thema Integration / Inklusion von Behinderten und Nichtbehinderten. Nach der Übernahme von einigen älteren Kindern mit Handicaps, deren Integration in anderen Kindergärten nicht glücken wollte, mussten wir wieder einmal feststellen, dass neben einem entsprechend erhöhten Personalschlüssel, der Aufbau von Kompetenz im Team, bei uns das Montessori - Diplom, die Fort- und Weiterbildungen, Team- und Fall- Supervision, sowie die Zusammenarbeit mit Therapeuten und Ärzten entscheidende Grundbedingungen bilden für den Kindergarten für alle. Nicht zu vergessen ist der Lernprozess für alle Eltern. Statt entsprechende Grundbedingungen zu schaffen, wurden mit der neuen Kindergarten- Finanzierung in Baden- Württemberg die Möglichkeiten für solche integrative Arbeit erschwert, trotz vieler politischer Beteuerungen, sich für behinderte Menschen einzusetzen.

   

    Schlechte Nachrichten aus dem ABC

Ganz erheblich treffen unsern ABC auch die allgemeinen Kürzungen im sozialen Bereich. So kann die befristete halbe Stelle nicht weitergeführt werden, nachdem die Teilfinanzierung durch die Glücksspirale ausgelaufen ist und das Diakonische Werk Freiburg nicht den Gesamtbetrag aufbringenkann. Die Stelle können wir, wie berichtet, bis Dezember noch halten, dann aber steht der ABC ohne Frau Streeck da –  und das ist sehr, sehr schmerzlich, nicht nur, weil alle sie persönlich vermissen werden, sondern auch, weil damit ein erheblicher Teil der Arbeitsgebiete reduziert werden wird – und das bei steigendem Bedarf. Wir alle sind Frau Streeck von Herzen dankbar.

 

Nun hat sich der Förderverein vorgenommen, wenigstens eine Praktikantenstelle möglich zu machen. Sind Sie dabei? (Konto siehe Rückseite Gemeindebrief  –  Arbeitskreis Behinderte).  

 

                                                                                    Irmengard Nübel