Aus unserem Gemeindebrief  
Juni - September 2006
 

Wenn Krankheit Mauern baut. Diakonie

„Hauptsache gesund!“ – fast zwingend schlüssig ist dieser alltägliche Satz, denn  „Gesundheit ist das Wichtigste“.  Aber bei allen guten Wünschen: Krankheit gehört zum menschlichen Leben von Anfang an dazu. Und zu seinem Ende. Oft lässt sich nicht einmal genau feststellen: Wo fängt Krankheit an? Was ist "krank"?  Dass "Krankheit Mauern baut“, mag zunächst erstaunen. Aber Kranksein schränkt die körperliche oder die geistige Mobilität ein. Kranksein isoliert. Auch für pflegende Angehörige wird der Aktionsradius eingeschränkt. Es fehlt die Chance, gesunde Distanz zu gewinnen und aufzutanken. Für Jesus war die Isolation das größte Übel, wenn ein Mensch krank war. „Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht!“ (Mat. 25, 36b) – so konkret weiß er, was zu tun ist. Das Alleinsein kranker Menschen zu überwinden ist eine der ältesten christlichen Tugenden. Doch gerade das wird paradoxerweise durch ein hoch organisiertes Gesundheitswesen erschwert. Der Kostendruck lässt immer weniger Spielräume für Besuche und „Da-Sein“. Für die Diakonie in Baden ist der Dienst an kranken Menschen mehr als Management. Sie geht daran, Mauern zu überwinden oder abzureißen. Sie wirkt gegen Isolation, die durch Krankheit entsteht. Sie macht mobil und eröffnet Lebensmöglichkeiten auch unter schweren körperlichen, geistigen und seelischen Bedingungen. Diakonie behandelt Krankheit als zum Menschen gehörig, ohne sie fatalistisch zu akzeptieren oder zu ignorieren. Das ist im normalen Kostenrahmen meist nicht möglich. Daher braucht dieser elementare Bereich diakonischer Arbeit Ihre Unterstützung. Es braucht die, die bereit sind, ehrenamtlich für andere da zu sein. Und es braucht Menschen, die mit ihren Spenden mithelfen, Raum für Begegnungen und für Mobilität zu schaffen. Und das Feld der Arbeit für kranke Menschen ist riesig: Pflegeeinrichtungen, Sozial-/Diakoniestationen, die Arbeit mit körperlich oder geistig behinderten Menschen, mit chronisch Kranken, in der Psychiatrie, der Suchthilfe oder der Bahnhofsmission. Ob in Besuchsdiensten, in der Familienpflege, in der Altenhilfe und der Hospizarbeit, während der Arbeit mit Demenzkranken oder bei der Unterstützung von pflegenden Angehörigen – dies alles gehört wie selbstverständlich zur diakonischen Arbeit, mit der wir Gottes Gebot der Nächstenliebe mit Leben erfüllen möchten. Deshalb wird die Aktion Opferwoche in diesem Jahr ganz besonders Projekte und Aktivitäten unterstützen, die Mauern überwinden, die durch Krankheit aufgebaut wurden. Wir helfen aus der Isolation.     

     Pfarrer Volker Erbacher, Diakonie Baden