Das schönste Geschenk, das es gibt - Ansprache an Heiligabend

Familiengottesdienst - 24.12.2009, Christuskirche Freiburg

Liebe Gemeinde, und besonders: liebe Kinder!

Was ist das Schönste an Weihnachten? Ach, Ihr seid ja nicht blöd: die Geschenke natürlich! Und da habt Ihr auch ganz recht mit: Weihnachten ohne Geschenke, das wäre wie unser Freiburg ohne das Münster. Also gar kein Weihnachten.

Aber vielleicht habt Ihr Euch das auch schon mal gefragt: was haben wir eigentlich davon, daß vor mehr als 2000 Jahren zur Zeit des römischen Kaisers Augustus in irgendeinem armseligen Kuhstall von einer jungen jüdischen Frau ein kleiner Junge geboren wurde, dem sie den Namen Jesus gaben und der als junger Mann von gerade mal etwas über 30 zum Tod am Kreuz verurteilt wurde? Was bringt uns das? Warum feiern wir jedes Jahr an Weihnachten so ein großes Fest?

Die Antwort auf diese Frage hat mit den Geschenken zu tun. Wir machen uns nämlich deshalb zu Weihnachten so gerne Geschenke, weil wir alle an Weihnachten das größte Geschenk bekommen haben, das sich denken läßt. Wir alle, ohne Ausnahme. Es ist nämlich so: Wir haben an Weihnachten einen Bruder bekommen! Wir alle miteinander, ob Große oder ganz Kleine, haben einen gemeinsamen Bruder. Das klingt komisch, nicht? Ich will versuchen, es zu erklären:

Viele von Euch Kindern wissen ja, wie toll das war, als Eure Eltern Euch das erste Mal gesagt haben: Du bekommst ein Brüderchen, oder ein Schwesterchen! Große Freude! Ich war drei Jahre alt, als meine Eltern mir das gesagt haben. Und ich weiß noch, das war einer der schönsten Augenblicke für mich als Kind, das zu erfahren. Auch wenn ich mich später, als mein kleiner Bruder da war, natürlich nicht immer nur über ihn gefreut, sondern manchmal auch ganz schön mit ihm gestritten habe. Aber trotzdem: nicht mehr das einzige Kind zu sein, nicht mehr allein im Kinderzimmer spielen zu müssen, sondern einen Bruder zu haben - das war das Größte!

Liebe Freunde, genau das kündigt uns Gott an Weihnachten an: Ihr seid nicht mehr allein auf euch selbst gestellt, ihr bekommt einen Bruder! Es heißt nämlich in der Bibel einmal von Jesus: "Er nannte sie alle Brüder und Schwestern" (Hebr 2,11). Und der das von uns sagte, ist ja der, von dem Gott gesagt hat: "Das ist mein lieber Sohn, den ich lieb habe" (Mt 3,17). Du, Jesus, Sohn der Maria, du gehörst zu mir wie keiner sonst. In dir ist - wie bei mir - nichts als Liebe. Liebe, die nie aufhört, und die vor keinem zurückschreckt. Liebe Freunde, wenn so einer uns seine Brüder und Schwestern nennt, dann sagt er uns doch: Wir haben alle denselben Vater. Ihr und ich, wir sind miteinander Gottes Kinder. Nach ihm genannt, von ihm geliebt.

Daß wir Jesu Brüder und Schwestern, und damit Gottes Kinder sind - das ist die größte Ehre, die es gibt. Viel toller als eine Eins in der Schule oder später ein Nobelpreis! Das Jesus, obwohl er das gar nicht nötig hätte, sich nicht zu gut ist, sich zu uns zu stellen, uns seine Geschwister zu nennen: das ist das wahre Wunder von Weihnachten. Und deshalb ist Weihnachten das größte Geschenk aller Zeiten.

Wir merken das, wenn wir auf uns selber schauen. Wir können einem anderen ja immer nur etwas schenken - ein spannendes Buch, eine tolle CD, etwas Gebasteltes, eine schöne Kette oder was immer. Gott macht das anders: Er schenkt uns nicht nur etwas (also keine CD, keinen Schmuck und so), sondern er schenkt uns nicht weniger als - sich selbst! Indem er seinen eigenen Sohn zur Welt kommen ließ. In ihm teilt er der ganzen Welt, allen Menschen mit: Hier bin ich! Ich wollte nicht mehr länger weit weg von Euch über den Wolken sein - ich hatte solche Sehnsucht nach euch, nach der Welt, das ich einer von euch werden wollte, in der Welt sein wie ihr, glücklich und traurig sein, geboren werden und am Ende sterben wie ihr auch! Merkt Ihr, was für ein unglaubliches Geschenk das ist?!

Es stimmt wirklich, was unsere Maria eben am Ende des Spiels gesagt hat: "Ja - das ist meine Geschichte. Mit Josef, dem Engel, dem Stern und all den anderen, die damals dabei waren. Aber eigentlich stimmt das nicht ganz: "eigentlich ist es nicht nur meine Geschichte, es ist auch eure Geschichte. Und das schon seit über 2000 Jahren!"

Also: daß dieser Jesus, der Sohn Gottes, mich und euch alle seine Brüder und Schwestern sein läßt - darüber will ich mich heute freuen! Und ich möchte, daß Ihr Euch mit mir freut. Jesus unser gemeinsamer Bruder: meine lieben Freunde, das verbindet uns mehr als alles andere. Und das ist ein größeres Geschenk als alle Geschenke, die wir nachher unterm Christbaum auspacken.

Amen.