Gott nimmt uns (tod)ernst Predigt über 1. Mose 22, 1-13
Judika - 10.04.2011, Petrus- u. Christuskirche Freiburg


Liebe Gemeinde!

"Es ist genug": das Leitwort unserer Predigtreihe in der Fastenzeit werden wohl manche jetzt unverblümt auf die gerade gehörte Geschichte beziehen. Es ist genug - ein solch unmenschliches Gottesbild ist unerträglich, eine Zumutung für jeden aufgeklärten Verstand! Ich lasse das zunächst mal so stehen und sage: Ja, wer diese Geschichte hört, ohne entsetzt zu sein, ist moralisch abgestumpft. Ich sage aber auch: Wer aus daraus die Konsequenz zieht, diese Geschichte als ein Relikt archaischer, inhumaner Zeiten anzusehen, ist noch schlimmer dran: er ist abgestumpft und meint, hoch sensibel zu sein. Oder noch einmal anders gesagt: Es ist schockierend, daß diese Geschichte in der Bibel steht. Und es ist sehr wichtig, daß sie in der Bibel enthalten ist. Das klingt paradox. Um zu verstehen, daß beides dennoch wahr ist, muß ich uns heute Morgen einiges an Denkarbeit zumuten. Das erspart uns diese alte Geschichte nicht.

I.

Auf der puren Handlungsebene macht Gott hier tatsächlich ein makabres Experiment mit einem Menschen. Es erinnert mich an ein bekanntes Experiment, das im Namen der Wissenschaft gemacht wurde. Die Versuchspersonen waren junge Studierende, Menschen, die noch genügend Idealismus hatten und moralisch unverbraucht waren. Ihnen wurde gesagt, das Experiment diene dazu, menschliches Schmerzverhalten zu erforschen. Die Versuchspersonen wurden in einem Raum geführt, wo sie diverse Tasten bedienen sollten. Die Tasten lösten Stromstöße aus, die einem anderen, für die Versuchspersonen unsichtbaren Menschen im Nebenraum zugefügt wurden. Es begann mit leichten Stromstößen, die dann peu à peu gesteigert wurden. Immer lautere Schreie im Nebenraum waren die Folge. Der Versuchsleiter versicherte, man brauche sie nicht zu beachten. Alles diene dem guten wissenschaftlichen Zweck. Er forderte auf, immer höhere Spannungen durch Knopfdruck zu entladen - mit immer unerträglicheren Schreien im Nachbarraum. Die allermeisten Versuchspersonen brachen das Experiment keineswegs ab, sondern machten weiter und schreckten selbst vor tödlichen Ladungen nicht zurück. Was sie nicht wußten: die Schreie im Nebenraum waren simuliert. Nicht menschliches Schmerzverhalten wurde in Wahrheit untersucht, sondern die Bereitschaft, um eines höheren Zieles willen moralische Hemmungen aufzugeben. Getestet wurden also nicht die anderen, sondern sie selbst. - Soweit das berühmte sog. "Milgram-Experiment", das ein Psychologieprofessor vor 50 Jahren an der Universität Yale entwickelt hatte, um das Verhältnis von Gehorsam und Gewissen zu erforschen.

Und jetzt frage ich: wo liegt der moralische Unterschied zwischen der Prüfung Abrahams durch Gott und diesem Experiment? Ist der alttestamentliche Gott nicht sogar noch barmherziger? Er greift ja noch rechtzeitig ein. Aber das ändert nichts daran, daß das Experiment als solches hier wie da grausam und inhuman anmutet. Und die Erkenntnis ist bei beiden dieselbe: normale, reife Menschen sind zum Töten verführbar. Besonders wenn sie sich auf höhere Werte berufen können. Und die Werte der Religion und der Wissenschaft sind die höchsten, weil es hier wie dort ja um die Wahrheit geht. - Von daher kann man verstehen, daß die Geschichte von Isaaks Opferung aus den Lehrplänen des Religionsunterrichts verschwunden ist. Aber sollen wir sie deshalb aus der Bibel und unserem kulturellen Gedächtnis streichen? Soll sie dem Rotstift der liturgischen Kommissionen zum Opfer fallen, die die Predigttexte auswählen?

II.

Stellen wir uns einmal vor, es würde eine Kommission eingesetzt, die sich dieser heiklen Fragen annehmen soll. Drei Fachleute werden dort zur Anhörung gebeten.

Der erste Experte ist ein Religionswissenschaftler. Er sagt: "Diese Geschichte ist humaner, als es zunächst scheint. Sie soll nämlich die Abschaffung der Kinderopfer für alle Zeiten festschreiben. Die Versuchung dazu ging von den Nachbarvölkern Israels aus. Dort gab es Kinderopfer, besonders in Krisenzeiten. Die Israeliten waren genötigt zu fragen: Verehren wir unseren Gott weniger als die anderen, wenn wir nicht bereit sind, das Liebste und Teuerste für Gott herzugeben? Zu ihrer Rechtfertigung erzählten sie sich die Geschichte von Abraham. Sie konnten dadurch sagen: auch wir sind bereit, alles hinzugeben. Aber zum Glück reicht unserem Gott die Bereitschaft dazu aus. Er verlangt nicht ihre grausame Umsetzung; im Gegenteil, er verbietet Menschenopfer. Gott ist humaner als die Götter der umliegenden Völker." Soweit der erste Experte. Die Kommission findet das bedenkenswert. Es trägt einiges zur Erhellung des religionsgeschichtlichen Hintergrunds bei. Aber man ist sich auch einig: in der Geschichte geht die Anfechtung nicht von den Nachbarn aus. Nein, in ihr wird Gott selbst zur Anfechtung.

Dann wird der zweite Experte aufgerufen. Er ist ein weltberühmter Philosoph aus der Stadt Königsberg. Für ihn ist klar: wenn der Mensch eine Stimme hört, die dem seinem Innern eingewurzelten moralischen Gesetz widerspricht, dann kann das niemals Gottes Stimme sein. Er sagt: "Abraham hätte auf diese vermeintlich göttliche Stimme sagen müssen: Daß ich meinen geliebten Sohn nicht töten darf, ist ganz gewiß. Aber daß du, der du mir erscheinst, Gott seist, ist nicht gewiß und kann es auch nicht werden." Die Kommission findet das in sich durchaus schlüssig. Aber auch hier wieder der Einwand: wird in der Geschichte nur ein falsches Gottesbild zur Anfechtung? Ist es nicht doch Gott selbst?

Als letzte der Experten wird eine Theologin angehört. Sie hat den Ruf, kritisch, liberal und auf der Höhe der Zeit zu sein. Sie sagt zunächst das, was von ihr zu erwarten war: "Diese Geschichte ist eine typische Männergeschichte. Abraham ist mit seinen Knechten und Isaak allein. Sarah wird mit keinem Wort erwähnt, sie ist komplett abwesend. Kurz nach dieser Geschichte stirbt sie. Warum? Die Antwort der Rabbinen: als Sarah nach der Rückkehr Abrahams von Morija hörte, was da geschehen war, fiel sie in Ohnmacht und starb. Verständlich! Welche Frau möchte mit einem Mann weiter zusammenleben, der bereit war, das gemeinsame Kind abzuschlachten?"

Einigen in der Kommission klingt das zu sehr nach Grundkurs in feministischer Theologie. Aber unsere Expertin hat noch eine weitere Idee. Sie sagt: "In der Geschichte ist mehrfach von Gottes Stimme die Rede. Beim ersten Mal fordert sie Abraham auf: 'Opfere deinen Sohn!' Beim zweiten Mal dagegen erscheint sie als Stimme eines Engels vom Himmel. Diese Stimme sagt: 'Strecke deine Hand nicht nach dem Knaben aus und tue ihm nichts an!' Die Wendung: 'Die Hand nach jemand ausstrecken' meint im Alten Testament häufig ein frevelhaftes Tun. Was ist nun der Unterschied zwischen Gottes Stimme am Anfang und der des Engels in der Mitte der Geschichte? Gott sagte zunächst: Geh hin und opfere! Das ist die sakrale Sprache des Kultes. Der Engel aber nennt dieses sakrale Opfer einen frevelhaften Akt. Er sagt: Tu dem Jungen nichts Frevelhaftes an! Das ist die Sprache der Ethik. Man wünschte, es wäre umgekehrt, so daß der Engel am Anfang den Befehl zur Opferung Isaaks geben würde, dann aber Gott selbst einschritte, um den unmenschlichen Befehl einer untergeordneten Instanz aufzuheben. Dann könnte man sagen: hier wird auf eindrucksvolle Weise ein veraltetes Gottesbild durch den wahren, wirklichen Gott korrigiert. Aber so ist es leider nicht. Gottes eigene Stimme wird durch den Engel korrigiert. Wer ist dieser Engel dann? Was schiebt sich da zwischen Gott und Mensch? Dieser Engel spricht von Gott in der 3. Person: 'Tue dem Knaben nichts an, denn nun weiß ich, daß du Gott fürchtest!' Dieser Engel widerspricht Gott. Er ist also nicht einfach ein Bote Gottes.

Aber wer ist er dann? Könnte man die Geschichte heute in einer Frauenbibel neu erzählen, dann vielleicht so: Sarah hatte mit weiblicher Intuition die finsteren Absichten Abrahams geahnt. Sie war ihm heimlich vorausgeeilt, einen Widder im Gebüsch angebunden und sich dort versteckt. Sie war es, die im entscheidenden Moment gerufen hatte: 'Lege deine Hand nicht an den Knaben!' Die vermeintliche Engelsstimme war in Wahrheit die Sarahs. Zugegeben: das steht nicht in unserer Geschichte. Es ist in sie hineingelesen. Doch sie läßt auch in ihrer jetzigen Gestalt eine Leerstelle. Wo kommt Sarah vor? War die Stimme des Engels, die in Abraham laut wurde, nicht vielleicht die Stimme Sarahs in ihm, der aus der Geschichte verdrängten Frau und Mutter? Stieg diese Stimme nicht unaufhaltsam aus Abrahams Unbewußtem auf? Und kam sie für ihn deswegen wie vom Himmel"? -

Soweit unsere letzte Expertin. In der Kommission wollen sich einige dieser Deutung anschließen. Aber ausgerechnet die weiblichen Mitglieder haben Bedenken. Die Lösung, das Ganze als Entgleisung theologischer Männerphantasien anzusehen, sei zu plausibel, zu psychologisierend. Es bleibe nun einmal dabei, hier gehe die Anfechtung nicht von Männern aus, sondern von Gott.

Man berät lange. Endlich kommt die Kommission zu einem Ergebnis. Der Schlüssel zur Geschichte sei am Anfang und am Ende zu suchen. Am Anfang heißt es: es handelt sich um eine Probe, eine Versuchung Abrahams. Das ist ein Signal an den Hörer: Achtung, es geht um eine Versuchung! Du meinst vielleicht, daß nur Abraham versucht werde. In Wirklichkeit aber gilt die Versuchung dir. In Wahrheit werden Hörer und Leser auf die Probe gestellt. Das macht der Schluß der Geschichte deutlich. Dort erneuert der Engel die Segensverheißung an Abraham. "Segnen sollen sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde, weil du auf meine Stimme gehört hast". Hier kommen wir, die Hörer und Leser dieser Geschichte, ins Spiel. Denn auch wir gehören zu den Völkern, die sich im Namen Abrahams Segen wünschen sollen. Worin besteht dann unsere Versuchung? Womit werden wir auf die Probe gestellt?

III.

Wir haben zwei Möglichkeiten, den Schluß der Geschichte zu verstehen. Die Frage ist ja, welche Stimme ist gemeint, auf die Abraham gehört hat? Erste Möglichkeit: Gemeint ist die Stimme Gottes am Anfang, also die Stimme des Kultes, die sagt: Opfere deinen Sohn! Abrahams Bewährung bestünde dann darin, daß er sich darauf eingelassen hat. Wenn er zu Isaak sagt: Gott wird sich ein Opferlamm aussuchen, dann weiß er: Gott wird ihn, Isaak, aussuchen. Abraham denkt: Gott erscheint unmenschlich, aber so wie er das Leben gibt, hat er auch das Recht, Leben zu nehmen! Seine Gedanken sind nicht unsere Gedanken. Darum ist er bereit, den Glaubensgehorsam über die Elternliebe zu stellen.

Die zweite Möglichkeit: Gemeint ist die Stimme des Engels, also die Stimme der Ethik, die sagt: Vollstrecke diesen Frevel nicht! Abraham ist gesegnet, weil er dieser zweiten Stimme folgte. Also der Stimme, die wie eine Mutter eingreift, um das Kind zu retten. Und schon vorher, auf dem Anstieg zum Berg, hat er auf diese Stimme gehofft. Als er zu seinem Sohn sagt: Gott wird sich ein Opferlamm aussuchen, lügt er Isaak nicht an, sondern vertraut darauf, daß es so kommt. Und sei es im allerletzten Moment. Denn Gott hatte ihm ja durch Isaak Nachkommen verheißen. Dieses Versprechen konnte er einfach nicht brechen. Abraham vertraute also darauf: Gott will Leben, nicht Tod.

Wer unter uns diese zweite Version wählt, der hat die Versuchung bestanden. Aber in der langen Geschichte des Nachdenkens über diesen abgründigen Text wählten die meisten die erste Version. Freilich mit Korrekturen, so daß man nicht sagen kann, sie alle hätten die Probe nicht bestanden. Meist sagte man: Isaak gab sich freiwillig hin. Im Judentum hat man in ihm immer wieder die eigene Bereitschaft zum Martyrium abgebildet gesehen, das Gott den Juden so oft auferlegte. Gleichzeitig sagten Juden und Christen: Abraham opferte Isaak im Glauben an die Auferstehung. Er vertraute Gott, daß er den Sohn aus dem Tod ins Leben zurückholen kann.

IV.

Einen allerdings gab es, der schon in sehr früher Zeit die zweite Version wählte. Und zwar der Apostel Paulus. In einer berühmten Stelle am Anfang des Römerbriefs beruft er sich auf Abraham als das große Vorbild für den Glauben, den Gott ihm zur Gerechtigkeit anrechnet. Paulus nimmt zwei Änderungen der bisher gängigen Deutung vor: Die erste: Abraham ist in seiner Sicht ein Gottloser. Er glaubte an den, der den Gottlosen gerecht spricht, der Sünden vergibt. Worin aber liegt für Paulus Abrahams Gottlosigkeit? In der Bereitschaft, den eigenen Sohn zu schlachten? Dies nur als Frage. - Die zweite Änderung ist eindeutig: Abrahams Gerechtigkeit besteht nicht in der Opferung Isaaks, sondern im Glauben an die Verheißung seiner Geburt. Gerecht ist Abraham, weil er der unglaublichen Zusage glaubt, er und Sarah, die das nicht glauben, sondern nur verlachen konnte, würden auch in hohem Alter noch einen Sohn bekommen. Der Glaube, der rechtfertigt, besteht hier also im Glauben an den Gott, der Leben gibt - nicht der Tötung verlangt.

Ich vertraue dieser Deutung des Apostels. Ich bin sicher, Paulus schreckt davor zurück, Abrahams Tötungsbereitschaft als exemplarischen Glauben zu sehen. Er widerspricht damit dem gängigen Abrahambild von Juden wie Christen zu seiner Zeit. Wie kam es dazu? Vielleicht ist das biografisch zu verstehen. Auch Paulus war ja bereit gewesen, Menschen zu töten - solche, die in Jesus den Messias erkannten. Auch bei ihm griff eine Stimme vom Himmel ein: Saul, was verfolgst du mich? Warum willst du das Messer an die Kehle von Kindern Abrahams setzen? Auch hier interveniert eine Mittlergestalt zwischen Gott und Mensch. Aber diesmal kein Engel, sondern der Gekreuzigte und Auferstandene, durch den Gott nicht mehr nur mit seinem Volk, sondern mit allen Menschen einen Bund schließen will. Zum Leben, nicht zum Tod.

Sehen Sie, liebe Gemeinde, eben darum gilt die Prüfung dieser Geschichte nicht nur einem Glaubensheroen aus ferner Zeit, sondern jedem unter uns. Das Leben diesseits von Eden ist ja im Grunde ein dauernder großer Test. Wir bekommen immer wieder ganz plausibel klingende Anweisungen, Tasten zu bedienen, die anderen Schmerzen zufügen. Wenn wir nachdenklich in diese Welt sehen, merken wir, daß die optimistisch aufgeklärte Rede, es gebe heute keine Menschenopfer mehr, ja gar nicht stimmt. Trotz Menschenrechte, Gewissensfreiheit, Rechtsstaat: der Mensch an sich ist moralisch nicht wirklich verbesserungsfähig. Der Mensch als solcher ist nicht gut. In seiner Natur ist er prinzipiell zum Bösen fähig, heute wie vor 3000 Jahren. Daß ein Vater hingeht und seinen Sohn ersticht, oder ein Bruder seine Schwester, weil sie den falschen Mann liebt, kommt in bestimmten Milieus immer noch vor, wie man in der Zeitung lesen kann. In der Regel freilich geht es unter uns subtiler zu. Die vielen Männer etwa, die ihre Partnerin unter massiven Druck setzen: wenn du nicht abtreibst, dann ist es vorbei mit uns! Und angesichts der Tatsache, daß fast jeder Staat dieser Erde selbstverständlich bereit ist, seine Söhne fürs Vaterland zu opfern, reagieren wir auch nicht allzu zart besaitet. Oder denken wir nur an die vielen Hinrichtungen in den USA. Die große Mehrheit in diesem so tief christlichen Land kann sich die Sühne eines Mordes nur so vorstellen, daß der Mörder seinerseits gemordet wird. - Wir sind im Vergleich zu Abraham nur feiner, subtiler geworden in unseren Sichtweisen und Methoden.

V.

Noch einmal zurück zu unserer Geschichte. Gott läßt ja auch nach der Rettung Isaaks nicht einfach fünfe grade sein. Kein "April, April, ich wollte nur mal sehen, wie es so um deinen Glauben steht". Die gefährdete Beziehung zwischen Gott und Mensch bleibt auch weiterhin eine buchstäblich todernste Sache. Das drückt der Widder aus, der dann stellvertretend als Opferlamm herhalten muß. Es gibt im Neuen Testament, im Hebräerbrief, eine ganz wichtige Aussage zu diesem Vorgang, die hierher gehört. An sich, so heißt es dort, war jener Widder zu wenig. Das Opfer hatte seine Gültigkeit nur im Blick auf das vollkommene künftige Opfer. All die Tieropfer, von denen das Alte Testament berichtet, sind gleichsam nur ein "Schatten", nicht die Sache selbst. Als Christen können wir das nicht anders verstehen als daß sie miteinander auf das eine, einzigartige Opfer verweisen, von dem wir alle leben. Und das war nun allerdings ein Menschenopfer. Das einzige aber, an dem Gott "Gefallen" hat. Und darum sagt Gott seither zu jedem anderen Menschopfer: Es ist genug!

Gott hat auf dem Berg Morija das höchste Opfer des Menschen ausgeschlagen - um auf einem anderen Berg selber das Opfer zu bringen, das unsere Rettung ist. Nicht weit entfernt von Morija lag Golgatha. Paulus sagte es so: "Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?" (Röm 8,32). So leuchtet im Bild des losgebundenen Isaak und des durch den Widder erlösten Abraham gleichsam die erschrockene Erkenntnis Jesajas auf: "Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten" (Jes 53,5). Siehe, das ist Gottes Widder, der die Schuld der Welt wegträgt!

Liebe Schwestern und Brüder, und nun müßte man diese abgründige Geschichte eigentlich noch einmal neu erzählen. Und zwar so, daß wir in Abraham auch Gott selbst erkennen. Dann nämlich würde Gottes Wort an Abraham am Ende der Erzählung zum Wort Abrahams an Gott, zu unserem dankbaren Wort an Gott: Nun weiß ich, nun wissen wir, daß du uns Menschen lieb hast und so (tod)ernst nimmst, daß du deinen einzigen Sohn nicht verschont hast um unseretwillen.

Amen.

Lieder: 86,1+3+8 / 87,6 / 76 / 382 / 692